früher hieß es immer, an den langen ringfingern könne man lesben erkennen. jetzt sind es auf einmal börsianer. ich weiß nicht recht. welches von beidem bin ich denn jetzt am besten?
jakob littners aufzeichnungen aus einem erdloch
„Wir saßen im Erdloch und unterhielten uns. Es war eine schöne, frühe Sommernacht. … Im Ghetto schrie eine Frau.“
Wolfgang Koeppen, Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch
beeindruckend, beinah der ganze text. nur ein hauch von kitsch, hier und da. besonders am ende. das ist schade. das ist einfach zuviel. fast möchte ich mich dafür entschuldigen.
auch für die eigenartige publikationsgeschichte, die zwar verdeutlicht, wie geschichten entstehen. welchen bezug ein text nahezu immer zur sogenannten wahrheit hat. oder haben kann. anders geht es kaum. dennoch ist das offenliegen dieser zusammenhänge doch ein wenig hinderlich. die frage, die nicht beantwortet werden kann. ist es nun wahr, das alles? wie es da steht? oder ist es doch „nur“ erfunden? von einem „mietschreiber“ zusammengestellt?
wer will mag vergleichen, den originaltext von jakob littner selbst gibt es inzwischen auch.
das geschlecht der engel, der himmel, der heilgen
raoul schrott ist ja eigentlich nicht so mein fall. der ist mir einfach zu klug. oder – anders gesagt – ich bin wohl zu ungebildet. zu 90% kann ich seinen texten nicht folgen, die ja noch dazu häufig in wenigstens drei bis vier sprachen verfaßt sind, von denen ich fünf bis sechs gar nicht spreche. ich habe also per se keine chance. never!
obwohl es mitunter auch ganz witzig sein kann. wenn ich recht verstehe.
„Ich schieße Pfeile in die Nacht und hätte auch gern einmal einen Stern getroffen, ein einziges Mal wenigstens, aber statt dessen nehmen nur die Karnickel Reißaus, weil sie nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht: da hagelt es plötzlich Pfeile ins Gras…“
klang und rhythmus kann der mann auch, das steht außer frage. wie kaum ein anderer, den ich kenne.
„Also antworte ich, daß ich an Nichts glaube, doch weil sich daran nicht gut glauben läßt, schütze ich das Licht und den Blick vor: und habe damit weder etwas gesagt noch dich verraten.“
verstehen kann ich das nicht, fürchte ich. nur ahnen vielleicht. doch wie käme ich jemals an einem buch, in dem es um engel geht, vorbei?
Raoul Schrott, Das Geschlecht der Engel, der Himmel, der Heiligen
brunchempfehlung
gut gefrühstückt übrigens heute, im kurhaus korsakow. hat so gut wie gereicht für den tag, was es da für 6,50 zum brunch gibt. das buffet ist nicht riesig, es herrscht also kein überangebot. aber viele hausgemachte kleinigkeiten, das meiste davon ziemlich lecker. und übersichtlichkeit hilft mir sowieso immer sehr bei der auswahl von essen.
außerdem zum ersten mal ein original jägerschnitzel ost gesehen. und gegessen. hatte ich ja schon viel von gehört und gelesen. geht in ordnung, denke ich.
eis
das habe ich lange nicht mehr gemacht, ein buch nach der farbe des umschlags gekauft. gut, es war ein mängelexemplar auf dem dem famosen flohmarktbücherstand am boxhagener platz. aber es hat einen sehr ansprechend gestalteten schutzumschlag, auf dem man zwar den buchtitel kaum finden kann, der dafür aber in einem schönen kühlen leicht grünlichem blau gehalten ist. oder ist es mehr richtig grün?
ich weiß nicht, aber mein eisbuch hatte gleich zwei davon. zwei eisblaue schutzumschläge, wie ich zuhause feststellte. gleich zwei, übereinander geschoben. wie, um es zu wärmen.
eis eben, von perikles monioudis, ist ein seltsames buch. nicht wirklich spannend, an keiner stelle atemberaubend, und dennoch von einer eindeutigen präsenz. alles ist gegenwart in diesem text, auch die erinnerungen und träume.
da arbeiten männer nahezu ohne jegliche technische aussrüstung auf einem see, um eis zu schneiden, das dann durch europa geschickt wird, weil es zur kühlung gebraucht wird. vorindustrielle zeiten. der kühlschrank wird gerade erst erfunden. gleichzeitig gibt es aber geländewagen mit vierradantrieb, motorräder, die von frauen gefahren werden, und mobiltelefone.
der vater-sohn-konflikt ist unklar, aber vorhanden. in schwäche erstarrt. die kälte dagegen ist eisig. so, wie es sein muß, bei dem titel. das paßt. immerhin handelt es sich um den dritten sohn. was hat so einer schon noch zu erledigen?
mein lieblingswort ist ab sofort eisgewölk.
Perikles Monioudis, Eis
nachtrag: der einband unter dem schutzumschlag ist übrigens langweilig. und was mache ich überhaupt mit dem zweiten, zusätzlichen? den schutzumschlag schützen?