raum für notizen

er-wachsen

29. Oktober 2020 - 10:53

ich lebe wieder, wie ich als kind gelebt habe. es gibt keine welt, und niemand ist schuld. aus dem nichts wächst ein mensch, trotz allem. vielleicht.

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give me a break

27. Oktober 2020 - 00:57

seltsamer zustand, zwischen langjähriger randfülle und plötzlicher ausgeleertheit. zeit, die keine zeit mehr ist. sondern leben, auf einmal. ich habe ein leben. ich habe auch eine wohnung, ich wohne darin. ich könnte es zumindest, und gestern habe ich es sogar für einen augenblick gespürt. dass ich wohne. und lebe, vielleicht.

das ist gut. das ist auch irgendwie unbehaglich, innen. dass ich das alles nicht mehr so recht weiß. schreiben zerstört, das ist klar. danach muss man sich wieder zusammensuchen. ich weiß.

vielleicht habe ich aber auch noch nie gewohnt. oder gelebt. oder geschrieben? vielleicht weiß ich gerade so gut wie gar nichts mehr. kann auch sein.

träumen vielleicht. ich will träumen, denn das habe ich schon. das weiß ich genau.

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anders

23. Oktober 2020 - 02:29

nach einem lagen abend in der entspannten und unendlich freundlichen atmosphäre des neuen „clärchens ballhaus“ durch die letzte laue nacht nach hause radeln, und dabei wissen, dass ich nicht ich bin. dass es nicht nur die erschöpfung ist, das manuskript oder der lächerliche unfall, der mich immer noch beschäftigt. so sehr, dass ich offensichtlich nicht einmal zu vermitteln in der lage bin, was eigentlich passiert ist, was in folge immer noch passiert. oder was lange zuvor schon geschehen ist, das vor allem.

ich bin nicht ich in gegenwart anderer. da bin ich immer nur die hülle eben dieser. auch das ein grund: zu schreiben und nicht zu leben. etwas anderes bleibt ja kaum, und derzeit schon gar nicht.

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ratte

22. Oktober 2020 - 15:30

ich bin selbst auch immer entsetzt, wenn ich dieses tier werde. wenn ich keinen weg mehr finde, nur in einer ecke klemme und den kampf, als wäre es der letzte, zu vermeiden versuche. weil ich ja doch ein mensch bin, am ende, und andere menschen um mich, die im zweifel mit mir nichts zu schaffen haben.

beim zahnarzt, zum beispiel. das war keine gute idee, mitten im abstandhalten. da mache ich mich doch auch so immer zum affen.

in den letzten zwei wochen habe ich übigens überall tote tiere gesehen. ein friedlicher spatz, wie schlafend, eine frisch zerfetze, sehr blutige taube und etwas nicht mehr zu identifizieredes. relativ groß mit fell, vielleicht eine kleine katze oder ein haushase.

darüber hinaus drei ratten. eine davon zermatscht, wie die taube. voller blut. die beiden anderen sehr klein und sehr heil, äußerlich betrachtet. tote ratten sehe ich sonst so gut wie nie.

jetzt frage ich mich: sterben die ratten nicht erst ganz zuletzt?

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protokoll

21. Oktober 2020 - 21:03

ich bin ungerecht. aus der versehrtheit und der erinnerung an die ursachen ist es schwer, gerecht zu bleiben. oder gar zu sein.

das nur for the record.

nächtes jahr, irgendwann, werde ich wieder unter unversehrt firmieren. vielleicht.

oder auch nicht.

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la peste

21. Oktober 2020 - 14:28

wie aus dem poetischen „in zeiten von corona“ klammheimlich das prosaische „in coronazeiten“ wurde.

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bonding (139)

21. Oktober 2020 - 01:09

dass ich beide bisherigen manuskriptfassungen in jeweils dem moment fertiggestellt habe, in dem welt draußen unerträglich wird. das verstehe ich nicht, das ertrage ich auch nicht gut. das lässt mich zurück, wie eine idiotin vielleicht, zumindest aber eine absurdität von mensch. ein solches buch in eine solche zeit zu versenken, das ist einfach nur irre.

immerhin ist es auf dem weg. es ist auch angekommen, das hat meine agentin dann doch zügig bestätigt. spüren kann ich gerade nichts mehr. vor ein paar wochen war ich wach und dicht dran, da hätte mir ein klein wenig austausch womöglich geholfen. ich weiß nicht, ob ich darauf gehofft habe. vermutlich schon, obwohl autorinnenseelenpflege ganz sicher nicht zu den agenturaufgaben gehört. sehr gut also, ein glück, dass ich vergessen wurde, über den rand gerutscht bin irgendwie. das wäre sonst ziemlich peinlich geworden, könnte ich mir denken. und auf die art gewöhne ich mir solcherlei komische hoffnung gar nicht erst an.

inzwischen ist alles tot, es gibt nichts mehr zu sagen. etwas ist so tief in mich hineingekrochen, dass es längst nichts mehr mit dem buch zu tun hat. in ein paar tagen nur, das ist beeindruckend. und das geht jetzt auch niemanden mehr etwas an, dazu ist es zu spät.

das will nur überlebt sein, irgendwie, ganz allein.

oder auch nicht.

vor etwas mehr als einem jahr habe ich einen autor im radio so etwas sagen hören wie: immer, wenn ich ein buch fertig habe, bin ich völlig zerstört. damals habe ich mich ein wenig gegruselt, obwohl ich mir das gut vorstellen konnte. vielleicht auch gerade deshalb, weil ich es mir so gut vorstellen konnte. die lösung im radio hatte etwas mit gehen zu tun, mit spazieren vielleicht. oder mit dem laufen durch wälder.

jetzt bin also ich soweit. ich bin zerstört. aber gehen hilft nicht, das weiß ich schon.

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fratzen

20. Oktober 2020 - 00:39

alles ein wenig besser ist es heute, vielleicht weil am morgen ein wenig die sonne. wie gestern auch schon. sonne ist gut, sonne hilft. sonne ist leben.

was sind das für platte sprüche, denke ich gerade. bis mir die gestrige sonne einfällt. (war das gestern?) na gut, denke ich. dann eben gut. und leben.

und gehen. ja, auch das. ich gehe ja gerne, das ist teil der schreibarbeit. sehr oft jedenfalls. und das gehen, nicht das schreiben, ging heute mal wieder richtig gut. die letzten tage bin ich eher geschlichen, fast gekrochen. das war seltsam. andererseits traue ich dem braten noch nicht recht. erstmal sehen, wie es morgen geht. mit mir.

sonst nicht viel. ein leerer tag, der mich zum ende dennoch sehr erschöpft hat.

als erstes habe ich gleich heute morgen mein facebook aufgeräumt. wenn themen aus privaten gruppen auf einmal in öffentlichen threads auftauchen, mit direktem, nahezu intimen bezug auf mich, dann ist es allerhöchste zeit, mal gründlich nachzudenken. zum einem, ob ich mit menschen, die so etwas machen, vermutlich nur gedankenlos, aber egal, tatsächlich befreundeg bin. (nein!) zum zweiten, ob diese art der kommunikation grundsätzlich, wenn auch pandemiebedingt irgendwie angesagt, für mich überaupt noch aktuell ist. (nein!)

so habe ich dann einiges an meinem facebook geändert. (ja!) ein bisschen was gelöscht und gesperrt, vor allem aber im hintergrund gebastelt. heimliche regeln eingeführt, ganz allein für mich. da gibt es doch tatsächlich bei facebook einige nette funktionen, die mir bislang noch gar nie untergekommen sind. oder die ich noch nie eingesetzt habe, einsetzen musste. das ist gut zu wissen.

jetzt passt die fratze einigermaßen gut, hoffe ich.

und es ist an mir, fortan die finger von dem dreck zu lassen, wenn es um persönliches geht. vertrauen gehört da nicht hin, nicht auf facebook. dafür sind blogs.

keine ahnung, wie ich das vergessen konnte.

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