raum für notizen

#insight

06. April 2020 - 23:24

eines verstehe ich so gar nicht. das gerede davon, dass dieses virus irgendwie demokratisch sei. besonders vielleicht in den englischsprachigen medien. dass es keinen unterscheid mache zwischen den menschen. dass es jeden treffen könne.

ob das hoffnung verheißen soll? oder zukunft? oder was? was für ein schwachsinn. wann hätten krankheit und tod jemals nach alter, schönheit oder berühmtheit gefragt. oder nach einer goldenen kreditkarte. es ist eine der einfachsten weisheiten, dass jedes sein leben als leiche beenden wird. nur das, mehr nicht.

dieses virus aber, diese hübsch gespickte kugel, die auch noch singt, wie ich heute gelesen habe. wissenschaftler haben seine struktur in klang umgewandelt, um mehr zu seinen aufbau erfahren. (oder so ähnlich.) herausgekommen ist eine harmonische melodie, zu hören war sie leider nicht. ich habe aber auch nicht danach gesucht.

dieses virus also ist ein kleines lied, das sich zu wiederholen wünscht. ein musikalisches muster, das von menschlichen notwendigkeiten – zu atmen, um zu leben – tatsächlich nicht viel versteht.

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06. April 2020 - 22:13

in österreich gibt es jetzt ein vermummungsverbot und die maskenpflicht gleichzeitig. richtig?

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#insight

06. April 2020 - 00:33

auf einmal leben alle so, wie ich als kind. das denke ich gerade. wenn sie nach draußen gehen, werden sie unsicher. denn sie kennen es nicht, dieses draußen. wissen noch nicht, wie es funktioniert. haben angst, vielleicht. denn da draußen lauert eine stille gefahr.

ob sie auch drinnen angst haben, so wie ich damals. das weiß ich nicht. ich weiß nicht einmal mehr genau, ob ich selbst früher tatsächlich so große angst hatte. oder ich mir meiner sicher war, als kind schon, auf mich geworfen. und dabei gut gelandet. sicher.

eines ist mir heute klar geworden. in der aktuellen situation derart zurückgesetzt zu sein, in mich selbst gepresst, seit drei wochen etwa. am anfang war es nicht leicht, weil ich es zu gut kenne. weil ich weiß, wie es geht und was passiert. wenn man allein ist, ganz für sich. dann war es anders. es wurde leicht, aus genau demselben grund. eben weil ich es kenne, das gibt sicherheit. menschenleere im leben und schweigen, ich gebe es zu, beruhigen mich zutiefst. und jetzt, sehr plötzlich, ist es noch leichter geworden. weil dann doch alles anders ist, ganz unerwartet neu.

ich habe meinen eigenen raum, ausreichend geld derzeit und die volle gewalt über mein leben, mein wissen, mein tun. das haben kinder nicht, die meisten menschen vielleicht. ich aber habe alles, was virginia woolfe für mich verlangt, trotz der aktuellen repressionen. in gewisser weise liegen auch diese in meiner gewalt. mein handeln ist meine macht. das wissen kinder nicht.

oder ist auch das am ende ganz anders? schon morgen vielleicht. ja.

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bonding (102)

05. April 2020 - 22:56

seit zwei tagen kämpfe ich mit dem letzten kapitel. das heißt, eigentlich mit der zweiten hälfte des letzten kapitels. die erste steht ja nun schon lange, die rühre ich auch nicht mehr an.

gestern ging es noch einigermaßen mit der arbeit, auch wenn ich auf uralte techniken zurückgreifen musste. papier und bleistift, ein radiergummi, zwei bunte marker. ohne das wäre ich nicht zurechtgekommen. das mag an der hohen konzentration am ende eines textes liegen. oder an der pandemischen weltlage, was durchaus denkbar wäre. ich weiß nicht einmal das mit gewissheit zu sagen.

fakt war gestern, dass ich keine sechs seiten ohne diese hilfmittel hätte überblicken können. während ich sonst in der lage bin, zwanzig, dreißig oder auch vierzig im hirn zu behalten. genaugenommen sogar alle, weit über vierhundert.

heute allein drei stunden an einer einzigen seite geklebt. danach waren es drei seiten, es musste also wirklich sein. auch der rest des bestehenden textes musste an vielen stellen ergänzt und erweitert werden. fünf, sechst stunden lang. fertig bin ich damit nicht, diese überarbeitung muss noch einmal überarbeitet werden. da hilft nichts.

drei seiten sind noch offen. gegen sechs, es war noch hell draußen, habe ich erschöpft aufgegeben.

ich fasse es nicht. ich bin am ende. (noch nicht.)

weiter geht’s: morgen und übermorgen abtauchen in den brotberuf. mittwoch dann.

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#insight

04. April 2020 - 00:14

heute war ich viel draußen, erst einkaufen, dann zur hausärztin, ein wenig eiliges rezept holen. aber ich gehe zu fuß, mehr als nur ein paar schritte. das ist gut. und checke dabei meine chipkarte fürs quartal ein, kann ja nicht schaden. alles andere ginge dann per telefon oder email, so sieht es dort aus. gähnende leere im warteraum, callcenterstimmung hinter der neu angebrachten plexischeibe.

dann komme ich nach hause und sehe, dass jemand meinen namen unten am klingelbrett einfach so erneuert hat. gut, der alte zettel war wirklich verblasst, lange schon. ein vor ein paar jahren selbst ausgedrucker wisch, weil der offiziell eingefügte schriftzug den üblichen schreibfehler aufwies. ärgerlich. zu einem erneuten austausch war ich aber noch nicht gekommen.

auch die frisch eingefügte transparentfolie lose auf milchiges plastik gelegt weist wieder denselben fehler auf. logisch! vielleicht kam deshalb das kleine paket neulich dreimal hintereinander nicht an. obwohl das kleinlich wäre, letztendlich ist es ja doch nur ein buchstabe.

ich schaue auf den engel, und weiß nicht, was ich tun soll. dann werde ich wütend, ganz plötzlich. ich bin kein engel!

ich laufe hoch in die wohnung, komme mit einem taschenmesser zurück und pople den falschen namen aus seinem gehäuse. dann laufe ich zurück in die wohnung und präpariere das überflüssige e sorgfältige heraus und klebe das ganze mit tesa zusammen. bevor ich es wieder nach unten trage, es sorgfältig zurück an seine bestimmung schiebe.

glücklich bin ich damit nicht, denn jetzt stimmt der name zwar. aber er wackelt und schwankt, ist nicht recht auf der reihe. und immer noch hat irgendwer, den ich nicht kenne, nicht auf mich achtgegeben.

nach all dem vergesse ich erstmal, mir die hände zu waschen.

später liege ich im wasser und sehe den schriftzug vor mit, korrekt buchstabiert, der name, den ich schon mein leben lang trage. er gefällt mir, er ist schön.

er ist eigen. mein eigen, soviel zeit muss sein.

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bonding (101)

03. April 2020 - 23:21

gestern das letzte kapitel durchgesprochen, alles soweit gut. es bleiben kleinigkeiten, die noch zu tun sind. einzelne worte, geringfügige ergänzungen. darüber hinaus eine letzte idee, die noch eingeflochten werden will. eine feine rote linie, nicht unwichtig. aber wer weiß.

nachgeschaut habe ich schon und gesehen, dass es gewagt ist. einen bogen schlagen von seite 178 auf seite 449? weil ich es kann?

mehr als geschaut habe ich heute dann aber nicht. stattdessen hänge ich mächtig durch. überall hebt sich schon die osterstarre, vierzehn tage pause, auch bei meinen literarischen partnern. damit habe ich auf einmal luft bis zur auferstehung. was sich heute mal in erschöpfung bei gleichzeitigem nichtstun geäußert hat.

naja. kein schönes ende, offensichtlich.

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#insight

02. April 2020 - 21:48

wiewohl ich nach lösungen suche, nach hoffnungen, verachte mehr und mehr all die täglich publizierten statistiken und prognosen, die doch nur auf unzuverlässigem zählwerk beruhen. dazu immerhin bekennen sich alle, dass ihre berechnungen auf zu vielen hypothetische komponenten ruhen. dementsprechend widersprechen sich die stimmen, heben einander auf und gehen gemeinsam unter.

was also ist wissenschaft. und was ist glauben, noch unbewiesen. wir wissen nicht, auch das sagen viele. so ist auch nur das gewiss, und nur denen ist zu trauen.

jetzt ist jetzt, mehr nicht. morgen ist ein anderes, wir werden sehen.

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01. April 2020 - 11:14

vor mir mein vater auf einem motorrad. ich soll ihm folgen, und das tue ich. das ist nicht leicht, er ist schnell und die straßen sind voll. an einer abzweigung täuscht er mich. er blinkt links, fährt dann aber rechts über den standstreifen oder die grasnarbe. so schnell fährt er, dass ich nicht folgen kann. nicht folgen will, so etwas tue ich nicht. das weiß er. dass ich mein tempo lebe und fahre. kein anderes.

ich stehe also da, ganz still und plötzlich ganz allein. und denke. vielleicht soll ich links, und nur er rechts vorbei an allem, so schnell es geht. über allem steht, massiv und mächtig, das schwebebahntragwerk. die grüne schlange mit den tausend beine aus metall.

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#insight

31. März 2020 - 21:50

im bad wohnt jetzt eine spinne. eine richtig schöne, mit kurzen, stammen beinen und mit einem feinen muster auf kopf und schultern. also keine von den winzigen, die fast durchsichtig sind. und unscheinbar. oder so eine mit langen beinen, aber ohne körper. solche waren schon oft hier bei mir im bad. jetzt ist da eine richtige, die sich zeigt. ich bin begeistert.

alles wird gut.

zeitung lesen ist müßig dieser tage. niemand weiß irgend etwas genau. sie forschen und rechnen aufgrund von modellen, dann stellen sie ihre modelle vor. jeder das seine. (so sieht es aus, das männliche ist absicht.) oder neue zahlen, die auch nicht mehr wissen eröffnen. zeitung lesen macht blöd, dieser tage besonders. ich lese darin nur noch die angst vor ostern, wo dann auch alle zu hause bleiben sollen.

die vielen menschen, die alle frei haben, die kinder wie die erwachsenen. die alle reisen wollen, in den frühling, sich besuchen. oder ans wasser, ans meer, an die luft. und menschen, die zu hause hocken, frustriert, weil sie nicht reisen dürfen, nicht fliegen. oder fliehen. die auf sich geworfen sind, vielleicht zum ersten mal. und auf die menschen, mit denen sie leben.

in der zeitung lese ich auch von bußgeldern, die am donnerstag in berlin beschlossen werden sollen. auch das fällt vermutlich in die kateorie osterangst. keine partys, keine veranstaltungen, keine zerstreuung. trotz wind und wetter, luft und lust. so ist das, so soll das.

aber auch keine besuche. strafe zahlen soll ebenso, wer sich in einer wohnung aufhält, die nicht die eigene ist.* das verbannt mich dazu, auf unbestimmte zeit ganz für mich zu bleiben, allein.** das sperrt andere mit den menschen zusammen, mit denen sie in einer wohnung leben, zufällig. männer mit ihren frauen und umgekehrt und noch anders. vor allem aber kinder mit ihren eltern, das ist fatal.

das baut einerseits auf die heile familie, im kern vier personen, die es nicht gibt. nicht einmal da, wo die menschen auf der eine familie besteht, sich wohlgesonnen sind. familie reicht nicht, reicht nie. und es demontiert andererseits jede vorsichtige idee von diversität. was sollte ich tun, hätte ich noch eine partner*in oder vielleicht mehrere. was?

das geht weit, das muss man wissen. das verlangt viel. das ist nicht recht.

* bis zu 500€!

** was ich im übrigen tue, über zehn tage länger als gefordert jetzt schon.

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#insight

30. März 2020 - 23:41

heute war winter, es hat geschneit. eine viertel stunde vielleicht. nächste woche ist frühling, denke ich. nächste woche bin ich auch mit dem buch durch, alles im plan. die idee war, zu ostern frei zu haben und ins freie zu gehen.

frei zu sein. daran werde ich mich halten, irgendwie.

aber noch ist es ja nicht. frühling.

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