raum für notizen

date and place of birth

31. Mai 2020 - 19:18

was für ein überraschend schöner geburtstag das gestern war. schon den übergang habe ich irgendwie vergessen, hab einfach nicht rechtzeitig auf die uhr gesehen. auch beim einkaufen oder anderswo, wo auch immer, habe ich nicht einmal daran gedacht, wie sonst eigentlich immer. im letzten jahr noch, als ich jedem eisverkäufer, jeder kassiererin, überhaupt allen, an denen ich auch nur vorübergelaufen bin, sagen wollte: hey, ich hab geburtstag. und keiner merkt es, wenn ich es nicht sage.

diesmal ist es mir offensichtlich völlig egal, und das ist gut. das möchte ich ab jetzt immer so. da bin ich ja sowieso. also hier! nicht mehr da, wo ich geboren wurde, zum glück.

eine tangotänzerin ist an mir vorbeigefahren, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. getanzt habe ich noch nie mit ihr, sie bewegt sich weit jenseits meiner fähigkeiten. das traue ich mich nicht. aber sie hat mich kurz gegrüßt, mit einer hand vom rad aus. das ist doch fast wie tanzen, in diesen zeiten. und ich habe nicht gedacht, dass ich doch geburtstag habe. nein, erst viel später. eine andere tangotänzerin ist vorbeigekommen, um mich zu kaffee und kuchen einzuladen. sie wusste natürlich bescheid, da musste ich nichts sagen. beinah wär es mir lieber gewesen, sie hätte es auch vergessen, so wie ich. und hätte trotzdem, aber mehr zufällig, wie aus versehen vor der tür gestanden.

dann habe ich die letzten bretter im bad aufbereitet. also abgeschraubt, einmal gestrichen, einmal geschliffen, dann noch gewachst. und wieder angeschraubt. kein großes ding. im bad gibt es jetzt nur noch kleinigkeiten, deko quasi. nichts mehr zu bauen. doch erst als diese letzten bretter fertig waren, zeigte sich auf einmal, dass die grundidee doch noch funktioniert hat. ich hab einfach nur alles aus holz, kiefer zumeist, weiß gestrichen. so unregelmäßiges kalkweiß mit wachs darüber. wie ich gehofft hatte, war es auf einmal viel einheitlicher, trotz aller unregelmäßigkeiten. aber auch heller, genau daran hatte ich ja kaum noch geglaubt. jetzt aber ist es. unglaublich.

unter all dem oder besser darüber hinweg, wie schwebend: die bilder aus den usa. dieses land ist am arsch, anders lässt sich das wohl nicht mehr fassen. wo poc vor laufenden kameras wie vieh erstickt werden. wo trauer und wut zügig von gewalt unterwandert werden, mutmaßlich organisiert. wo pressevertreter sich verhaftet und beschossen sehen, immerhin öffentlich, immerhin dokumentiert. und ein präsident, der keiner ist, schweigt oder twittert vom schießen.

heute ist es noch schlimmer, wie ich sehe. scharfschützen liegen auf den dächern des weißen hauses, kann das sein. außerdem ist ja mit all dem auch noch ein virus unterwegs, das gleichermaßen tödlich sein kann.

ich erinnere mich, das war schon einmal so an meinem geburtstag, dass sich die welt aus den angeln gehoben hat. damals ganz in der nähe, an meinem dreißigten war das.

alle tage | 1 » | plink

eigentlich. hoffentlich. irgendwie.

28. Mai 2020 - 23:25

seltsamer tag, an dem absolut alles nicht funktionieren will, die dinge am ende aber doch zusammenfinden. irgendwie. manchmal ist das ja nicht zu verstehen.

das bad ist dann doch noch fast fertig geworden, nachdem ich gestern fast verzweifelt wäre. und es sieht eigentlich ganz gut aus. es könnte aber besser sein, das ist unübersehbar. sich selbst belügen gilt nicht, da muss ich wohl nochmal ran. morgen oder übermorgen, mal sehen.

dann das meditations-webinar, für das ich mich vor wochen schon angemeldet hatte. danach war mir eigentlich so gar nicht. und es war auch ziemlich durchwachsen, wie das so ist. menschen, die in wir-form sprechen, reden ja mitunter ziemlich an menschen vorbei. das ist so absurd wie logisch. die stimmung war aber dennoch gut. irgendwie.

im flur steht die neue matraze, eingerollt in plastik, wie eine presswurst. so weit, so gut. die abholung der alten hat aber heute nicht mehr geklappt, das geht erst morgen. eine letzte nacht noch also, doch dann schlafe ich frisch in meinen geburtstag. hoffe ich.

beinah wäre eben noch die schreibzeitbuchung für august total danebengegangen. schreibzeit, das ist mein neuer urlaubsplan, nachdem sich alles andere ja zerschlagen hat. vielleicht auch keine schreibzeit, wer weiß. vielleicht nur motorradzeit und paddelzeit und lesezeit, auszeit eben. nicht weit von hier, das ist auch schön, das weiß ich ja. nach einem kurzen anruf, was gar nicht so meine sache ist, hoffe ich jetzt wieder. dass es doch noch klappt.

zuletzt noch die eine email, gerade eben, da war ich schon auf gin. so eine email auf englisch, die ewig braucht. als ich. wegen der desatrösen anordnug von buchstaben in englischen wörtern, die am ende so rein gar nicht mit der aussprache eben derselben englischen wörter zu tun hat.

oder heißt es worte? weiß ich grad nicht. egal.

alle tage | 0 » | plink

trauma und wachstum

26. Mai 2020 - 00:00

Die Idee, sich nach Tiefpunkten weiterzuentwickeln, ist nicht neu: Als kulturelles Skript, das unsere Erwartungen und Handlungen prägt, ist das Wachstum durch Krisen sozial anerkannt, wenn nicht gar erwünscht.

offensichtlich eine mär, das passt ja.

fremde federn | 0 » | plink

kontaktverbot*

25. Mai 2020 - 23:40

diese zweidimensionalität, diese menschenleere. keine stimmen zu hören im raum, keine begegnungen beobachten zu können. und auch selbst: nicht mehr reden ohne menschen. nichts mehr sagen, nur noch schweigen.

wo ist mein körper, meine stimme, mein leben?

* ja, ich weiß auch, dass es nicht verbot heißt, es heißt beschränkung.

aber das ist es nicht. für eine alleinstehende tangotänzer*in im homeoffice und ohne familie ist es die reine leere. es ist total. und es bleibt. es bleibt.

und bleibt. bis nichts mehr bleibt.

alle tage | 0 » | plink

#insight

25. Mai 2020 - 18:22

aspritation. das ist ein wort für hoffnung, habe ich gelernt. hoffnung und bestreben, letzteres in durchaus ehrgeiziger ausprägung. es ist ein bildungssprachliches gebilde dieses wort, so heißt es, ein monstrum fast. deshalb kannte ich es bislang wohl auch nicht, zumindest nicht in dieser bedeutung.

aspiration in seiner medizinischer bedeutung, das habe ich auch gelernt in letzter zeit, hat mit atmung zu tun. genauer mit dem einatmen von material, das nicht eingeatmet werden sollte. verschlucken heißt das auch, irrigerweise. es gibt einen falschen hals, in den hinein aspiriert werden kann. doch auch das normale atmen, ein und wieder aus, transportiert fremdkörper. trägt das virus in die welt, so sieht es aus.

hoffnung also und falsche atmung. dass es das atmen ist, tatsächlich, der normale menschliche atem. der die freiheit verdrängt, die leichtigkeit des alltags, der begegnung im tanz.

odem, der die hoffung frisst.

kaum ein hauch.

alle tage | 0 » | plink

25. Mai 2020 - 09:35

das frühstücksbuffet befindet sich in den schubladen, zur sicherheit vielleicht. vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu spät. ich war beschäftigt, wir haben draußen herumgelungert. das war spannend, trotz hunger.

kein problem, sagt die transfrau, ich zeig’s dir. sie winkelt ein bein an, damit ich alles sehe. ich dürfte auch anfassen, will aber nicht.

wie blöd, denke ich später. nach dem aufwachen.

traumhaft | 0 » | plink

listen

24. Mai 2020 - 23:10

gar nicht so schlecht, dieser tag. 1000 mal besser als gestern zumindest. listen helfen eben doch, auch wenn man nur wenig davon erledigt. das wichtige daran ist: man fängt an. mit irgend etwas, ganz egal, und daraus ergibt sich der rest. wie von selbst.

wie beim schreiben, wenn es läuft.

jetzt ist es spät, und ich habe nicht so wirklich viel von der liste gestrichen, an das wichtigste sogar kaum auch nur gedacht. das schreiben, das steht da auch drauf.

stattdessen habe ich papier gewälzt, die stapel durchsortiert, die sich in den letzten wochen und monaten überall angesammelt haben. sowas tut gut, das muss man wissen. und immer wieder mal machen. durch den mist gehen, wenn auch nur grob, aber immerhin. aufräumen und ausmisten. durchatmen.

dann habe ich eine neue matraze bestellt. einfach so. oder vielleicht, weil mir auf einmal einfiel, dass ich ja bald geburtstag habe. ach was, ich glaube, ich wollte mir einfach etwas schenken. ausgeguckt hatte ich mir das ding ja schon seit monaten. da gehen dann also bald zirka 25 jahre, schlafen, wachen, träumen, sex.

und tschüß!

alle tage | 0 » | plink

24. Mai 2020 - 10:23

die wanne steht frei, aber falsch herum im raum. ich muss zum fenster sehen. hinaus, nicht gegen die wand, an die tür. gleich neben dem bad ist noch ein zimmer, platz für einen werkraum. ich bin überrascht.

am tag darauf stehe ich vor einem keller, der mein keller ist. oder war, früher einmal. dort wird gearbeitet, gebaut. ich will nur kurz schauen, ob mit meinem zeug alles gut ist. wo ich schon einmal hier bin, in wuppertal vielleicht. ich weiß auch nicht. ich will schauen, aber dann vergesse ich es. denn mein keller ist gar kein keller, kein loch. es gib keine wand mehr, die ihn nach hinten begrenzt. alles ist offen, alles ist auch eine etage höher. ebenerdig. da ist ein großer raum, eine halle, voll mit holz. ein lager vielleicht, mein lager.

ich wache auf, weil mir warm ist. ich muss das sommerbett heraussuchen. draußen ist noch sonne, so früh am morgen.

traumhaft | 0 » | plink