raum für notizen

bonding (118)

14. August 2020 - 21:36

noch bevor ich bei meiner agentur anfragen kann, wie und ob es weiter geht, schreibt mir die agentin und erklärt eben das. wir haben ein gutes timing.

was soll ich sagen? der rahmen ist recht eng gesteckt, und ich liege richtig damit, zügig weiterzumachen. so geht alles seinen weg.

nachts spinne ich mich zwischen die welten. ich träume und ich denke im text herum, am morgen baue ich das dann ein. derzeit ist ja alles montage, ich muss es nur passend machen.

es ist seltsam, dass ich mich nun, nach so langer zeit der trauer, auf einmal wieder auf eine geburt einlassen muss. den anfang habe ich ja das erste mal vor über sieben jahren geschrieben und vor drei jahren dann neu damit angefangen.

es ist ein ganz anderer text, ein anderes thema und etliche andere menschen. das hatte ich völlig vergessen.

ich bin weit und gut vorangekommen. es wird gut, auch wenn ich sicherlich insgesamt noch einmal darüberschauen muss.

morgen geht es mit einem ziemlichen batzen weiter, da muss ich kürzen und ändern und womöglich alles auseinanderreißen. ich weiß nicht, ob das geht mit dem kleinen computer, mit nur einem bildschirm.

vielleicht ist papierarbeit angesagt. sitzen im café, im hintergrund: menschen!

im grunde kaum noch denkbar.

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#insight

14. August 2020 - 21:13

manchmal träume vor mich hin, als wäre alles wie immer. dann rede ich in meinem kopf mit menschen, die ich in echt noch nie getroffen habe. oder schon sehr lange nicht mehr.

dann fällt mir wieder ein, dass ich keine menschen mehr treffen darf. dann ist es wieder vorbei mit dem reden. dann schweige ich wieder.

so sterben in mir die welten.

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13. August 2020 - 22:53

nach der schreibarbeit schnell die zähne geputzt, eine hose angezogen und losgeradeln. ein ausgedehnter trip durch den bergigen teil des parks, der mir immer noch und immer wieder im ersten moment englisch vorkommt. die gebäude, auch wenn sie geziegelt sind, alse alles viel kleiner. die bäume dagegen, so groß und fremd. das ist südengland, eindeutig.

natürlich habe ich auch nach einem guten einstiegsplatz auf der anderen seite des sees geschaut. und gleich ein paar davon gefunden, allerdings ist das wasser hier fast überall zu flach. ich werde also immer probleme mit der kleinen finne haben, sobald ich mein volles gewicht in das superleichte boot werfe. dann sitze ich auf grund. also im sand, aber mal sehen.

der wetterbericht sagt, dass montag morgen ein guter paddeltag sein könnte. mein schultergürtelmuskelkater sagt das auch, obwohl es nicht so schlimm ist, wie ich gestern noch dachte. aber gut, am dienstag muss ich zurück nach berlin. das wären dann noch drei gute schreibtage, hoffe ich.

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bonding (117)

13. August 2020 - 21:57

alles anders heute, das wetter vor allem. also ausgeschlafen, gut gefrühstückt, zwei mal kaffee, obwohl der hier so umständlich herzustellen ist. und dann in den text.

bis zum mittag, so dachte ich, wenn es zu heiß wird in der wohnung. wurde es dann aber nicht, der himmel war zugezogen, den ganzen tag. also bin ich dort geblieben, im text, den ganzen tag.

gut vorangekommen, denke ich. vor allem wirklich eingestiegen, weil es nötig war. und dann wieder ausgestiegen und weitergeblättert, bis zur nächsten baustelle. alles dazwischen habe ich tatsächlich nur überflogen und nicht auf herz und nieren geprüft. das ist nicht meine art, ich kann es kaum fassen.

das macht mir angst. mache ich das richtig? aber würde ich es nicht so machen, ich bräuchte noch einmal monate, wenn nicht jahre. und das geht nicht, nein.

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bonding (116)

12. August 2020 - 21:30

wenn ich nicht tief einsteige in den text, dann verliere ich nicht nur die verbindung, ich verliere den glauben. und die hoffnung, dass es gut ist, was ich tue. kurz war ich überwältigt beim ersten abwägen des stapels. (ja, es ist papier.) da war kein gefühl, kein bisschen mut, es anzugehen. kein vertrauen.

dass ich zunächst einmal an der oberfläche bleiben konnte, hat womöglich geholfen. sechs kapitel habe ich so bearbeiten können, nur eines davon habe ich dabei komplett gelesen. das erste. in den anderen gab es wenig, die habe größtenteils ich überflogen. in zweien gab es die frage nach möglichen kürzungen, die ich angemessen fand. (verknappen, so heißt es da dann.) da musste ich also ran, bin aber nicht rein, nicht tief. erstmals nur handwerk, den fluss prüfe ich später. (wenn es nicht so heiß ist.)

ab jetzt wird das anders, das weiß ich. ab jetzt fehlt etwas. die dummen andeutungen, die ich aus den ersten sechs kapiteln ausgemerzt habe, muss in jetzt erst ergründen und dann ergänzen. und alles ist anders, als ich es vor jahren gedacht habe, als ich den anfang geschrieben habe. das macht mir angst.

außerdem fehlen mir hoffnung und mut. das eine baut auf dem anderen auf, ich weiß. ich weiß nicht, ob ich das mit handwerk und können allein schaffen kann. das habe ich noch nie gemacht, einen text zielgenau in richtung veröffentlichung getrieben. nicht auf dem niveau.

ich muss es suchen, versuchen. vermutlich. ab jetzt.

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schreibzeit (48)

12. August 2020 - 20:33

es ist dann diesmal doch mehr urlaub als schreibzeit, das muss ich zugeben. nach der kleinen paddelrunde heute morgen war ich derart groggy, dass danach nur wenig arbeit angesagt war. stattdessen rumliegen, immer im zielstrom des ventilators, eine kleine maschine wäsche laufen lassen, natürlich mit dem obligatorischen papiertaschentuch, menno, und zum teil sogar wegnicken vor erschöpfung.

die bootsrunde auf der nuthe war allerdings sehr bekömmlich. kein mensch auf dem wasser, nur ich. und enten, ein reiher, schillernde fliegen auf einem großen, toten fisch. bäume im wasser, an denen ich tatsächlich auch mal hängen geblieben bin mit meiner minifinne. die hätte es gar nicht gebraucht auf diesem trip, aber das weiß man ja vorher nie so richtig.

als ich gegen mittag zurück in der wohnung war, dachte ich noch: das mache ich morgen gleich wieder. dann meldete sich allerdings der schultergürtel, der nacken, der rücken. in dem bereich bin ich außerordentlich untertrainiert, und es ist nicht so, dass ich das nicht eigentlich wüsste. ich vergesse es nur gerne, glaube offensichtlich tatsächlich, dass die sauber definierten tangobeine auch so ein boot problemlos antreiben können müssten. was für ein quatsch.

also freitag oder samstag, vielleicht vom park rüber zur glienicker brücke. wenn das weter hält, es sind ja wieder gewitter versprochen. und wenn er muskelkater es zulässt. besser samstag, denke ich gerade, am freitag nachmittag habe ich eine führung gebucht, durch potsdamer hinterhöfe. ich hoffe, das wird ähnlich spannend, wie die straßenführungen in berlin. und dass das das wetter hält.

dazu kommt die hitze, am nachmittag heizt die wohnung gnadenlos hoch, dann steht die sonne stundenlang auf der gesamten front. momentan bis so ungefähr halb acht. dann erst wird es schlagartig besser.

also soviel zum thema schreiben. aber ich tue, was ich kann.

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verwackelt

12. August 2020 - 17:34

vor mir auf dem radweg eine frau und ein kind. sehr langsam, weil das kind mehr so wackeldradelt, obwohl es dazu eigentlich schon zu groß ist. auch das rad ist kein anfängerrad, das kind bummelt und trödelt und wackelt eben.

mir macht das nichts, ich habe urlaub, ich habe zeit. ich zockel also hinterher und schaue mir die zähe dynamik zwischen den beiden an. es ist sommer, es ist heiß. ich verstehe das.

lass mal die mal vorbei, sagt die frau schließlich zu dem kind, das mir daraufhin sofort platz macht.

und ich fahre gerne vorbei. ich habe genug gesehen und plötzlich dringend lust auf fahrtwind.

den, sagt das kind, als ich nehmen ihm in die pedale trete.

woher hat es das? was hat es gesehen? die haare an meinen beinen? die tangowadenmuskeln? meine brüste können es nicht gewesen sein, obwohl die aktuell kaum zu übersehen sind. ich trage ein ziemliches kampfgewicht mit mir herum.

nicht falsch verstehen, bitte. misgendern geht bei mir nicht, das habe ich so beschlossen, schon vor jahren, jahrzehnten. in letzter zeit wurde ich aber fast durchgehend „korrekt“, also „körperkorrekt“ einsortiert. bis neulich dann, der halbe mann.

was geht da gerade ab?

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ich, gabelsbergerin*

11. August 2020 - 23:24

in der stadt unten gewesen, also in potsdam. das ist etwas anderes als die kleine stadt, in der sich meine unterkunft befindet. das war mir schon immer klar, aber neulich habe ich das sogar in einem podcast bestätigt gefunden. die kleine stadt hier ist etwas ganz eigenes.

in potsdam komme ich mir schnell vor wie in einem preußischen puppenhaus. alles ist so klein und dann auf einmal so riesig, dass man kaum darüber hinwegsehen kann. als wäre das alles ein einziger showroom. schwer zu verstehen mitunter, dass es sich um eine lebendige stadt handelt, in der auch wirklich menschen leben. dabei rede ich noch nicht einmal von den vielen schlössern und parks. und im grunde kenne ich auch nur das zentrum, zwischen bahnhof und holländischem viertel. (was sich für mich aber nie so richtig holländisch anfühlt. dafür war ich wohl zu oft in holland, das erste fremde land meines lebens.) das ist nicht viel, vermute ich.

wie ich vor drei jahren auf die kleine stadt gekommen bin? keine ahnung. es sollte ein ort sein, nicht weit entfernt von berlin, mit der s-bahn erreichbar. weil mir klar war, dass sich das schreiben über jahre ziehen könnte, falls ich mich dazu durchringen würde. also sommer, winter, alle wetter. die reise sollte in keinem fall zu aufwändig sein. dass ich immer an denselben ort fahren würde, das verstand sich von selbst. auch hier habe ich keine ahnung, warum. es ist einfach so. keine umstände, stattdessen wachsende vertrautheit. aber es hätte doch auch falkensee sein können oder buch oder was-weiß-ich.

hätte es wohl nicht, denn zum einen liegt das lcb nicht weit, quasi mehr so auf dem weg. ein wahnsinnsort, die hochburg der berliner literatur. und nicht nur der, da ist man doch gern in der nähe. zum anderen ist da der name: babelsberg. da denke ich nicht an film und fernsehen, auch nicht vergnügungsparks oder elitäre unis, in deren nähe ich mich nicht einmal vorsichtig gedacht hätte. ich denke daran, dass meine erste adresse im leben die gabelsberger straße in essen war. (nicht suchen, die gibt es nicht mehr. da steht jetzt die uni. im ernst!)

ein buchstabe nur. das ist es wohl, was mich geschüttelt hat. und das habe ich nun davon, ich muss mich entscheiden. nicht jetzt, aber irgendwann in den nächsten paar jahren. ob ich tatsächlich ganz hier herziehen will. oder doch (gleich) nach wien. in den osten also oder ins ausland, das ja aber für mich kein ausland ist.

da wird mir schwindelig.

* immer schon.

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11. August 2020 - 15:04

eine mücke hat mich in der nacht mitten in die stirn gestochen. jetzt wächst mir ein kleines, dickes einhorn aus dem dritten auge.

die fliege, die mich mitunter so nervt, hat sich eigenmächtig im spülwasser ertränkt.

draußen geht ein leichter wind durch die welt.

da will ich hin.

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planänderung

11. August 2020 - 11:47

eigentlich war der plan, mich heute früh aufzumachen, das boot aufs rad zu packen und mich aufs wasser zu begeben. das früh habe ich aber ziemlich verschlafen, außerdem war der plan schlecht vorbereitet. vor allem war der bootsrucksack noch im motorradtransportmudus und nicht fahrbereit gepackt, das hat dem schönen plan schnell das genick gebrochen. ich habe einfach noch ein bisschen weiter geschlafen, solange es nicht allzu heiß war in der wohnung. die nächte sind ja glücklicherweise sehr erträglich. nachts gehe ich immer eine runde durch die fast leeren, stillen straßen und wundere mich.

für morgen plane ich besser und baue den bootsrucksack fahrbereit an der wohnungstür auf. und dann radle ich zu der hoffentlich passenden einstiegsstelle, die ich immerhin vorgestern schon gefunden habe. heute wird dafür gleich sofort losgearbeitet, und später radle ich mal in die stadt runter, so sagt man hier, habe ich gelernt, in die innenstadt. da schaue ich, ob ich ein hemd finde, irgendetwas loses am körper, das ich mitzunehmen vergessen habe. das kleid zum beispiel, das ich im letzten jahr in klagenfurt gekauft habe. warum hängt das zu hause im schrank?

ach, ich bin schlecht vorbereitet. in jeglicher hinsicht, aber vermutlich ist diese ganze, verdammte planerei grundlegend überbewertet. wo sehen sie sich in fünf jahren? alles lebensverplanerei, sinnlose.

aber morgen, aufs boot, aufs wasser. spüren, wie all die lenkerei nichts bewirkt, weil das wasser steht oder fließt. mich trägt, ganz ohne mein zutun.

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