raum für notizen

meinwien/6

30. Juni 2022 - 22:18

das war eine schlechte idee, gestern, die nur selten benutzten sandalen anzuziehen und den ganz tag lang darin herumzulaufen. nach kurzer zeit schon wusste ich wieder, warum die dinger so wenig zum einsatz kommen. (nicht nur, weil man mit sandalen nicht motorrad fährt.) das sohlenmaterial, innen das, auf dem man steht, das ist irgendwie bescheuert. es drückt und reibt mir innerhalb kürzester zeit großflächige blasen unter die füße, zusätzlich zu den üblichen scheuerstellen bei den riemen. so auch gestern. zwar konnte ich mich zwischenzeitlich noch verpflastern, aber geholfen hat das nur mäßig.

heute morgen hab ich die dinger entsorgt und die angesammelte  flüssigkeit aus den blasen entfernt. gelaufen bin ich dann in turnschuhen, die barfußschuhe sind mir zu hart bei kilometerweise straßenpflaster. anstrengend war es dennoch, aber egal.

die neubaugsse kommt mir anders vor, als ich sie ein erinnerung habe. auch sie ist verkehrsberuhigt, wie man in deutschland dazu sagen würde. das heißt, wenig autos, nur straßenbahnen und busse, fahrräder und menschen zu fuß. das gibt weite, soviel steht fest. so entsteht raum. ich entdecke den bus, 13a, der mir mehrfach empfohlen wurde. gesucht habe ich danach nicht, ich hab ihn auch (noch) nicht benutzt. aber gefunden, das hat funktioniert. auch das basilikumeis, auf das ich gestern abend noch hingewiesen wurde, da habe ich einfach so hingefunden. (und zwar ohne googlemaps, obwohl ich neulich erst gelernt habe, den kompass zu kalibrieren, damit mich das ding nicht permanent rasend macht und sonstwo hinleitet. seitdem komme ich eigentlich ganz gut klar.) zum einem, weil ich mich erinnert habe, dass ich da schon mal war, 2019. zum anderen hatte ich da tatsächlich ein stückchen straßenkarte von vorgestern im kopf parat. läuft. und schmeckt auch super, so ein veganes basilikumeis.

mit dem eis in der hand habe ich dann zufällig zu einem dieser micky-maus-türme gefunden. so habe ich als kind die hiesigen flaktürme genannt, wegen der ohren. in dem am esterházy-park ist ein zoo, ein aquarium mit haien und krokodilen. drin war ich nicht, das schaffe ich auch diesmal nicht mehr, aber: haie? echt?

nach einem imbiss, der vor allem aus einem großen soda zitron bestand, warum gibt es das eigentlich nicht in deutschland? oder wenigstens bei mir zu hause, ab sofort! also danach weitergelaufen, am café jelinek vorbeigekommen, nachdem ich neulich schon am ernst-jandl-park war, zufällig natürlich. irgendwas mit nelly sachs war da auch in der nähe, das hab ich aber nicht mehr so parat. sorry.

heiß war es heute. für eine wie mich, die sporadisch schwitzen kann, dass es nur so läuft. von wegen, frauen schwitzen nicht. ein wenig fürchte ich mich vor morgen. da wird es auch heiß, und da bin ich für zwölf stunden obdachlos. von zehn am morgen, wenn ich die unterkunft verlassen muss, bis zehn uhr am abend, wenn ich dann mein bett im zug nach berlin beziehen kann. das ist ein komisches gefühl, nicht so schön, irgendwie wie warten. (ob ich mich mal für eine weile auf die mariahilfer setzen sollte, mit dem hut vor mir? nur, um das mal auszuprobieren. aber das stelle ich mir langweilig vor.) (eigenartige idee, ob das die hitze ist, die mir mein hirn durchdämpft?)

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meinwien/5

30. Juni 2022 - 12:03

mit klimaanlagen kenne ich mich nicht so aus, aber stellt man sie auf die höchste stufe inklusive ventilatorlamellenklappern, wenn man das haus verlässt? ich verstehe das ja, ich würde ein solche einrichtung wohl auch nutzen, wenn ich sie zur verfügung hätte, zumindest in diesen hitzetagen. andererseits wird anderswo darüber diskutiert, das duschen von drei auf zwei minuten zu reduzieren. es ist ja nicht nur der lärm, es geht um die existenz, habe ich den eindruck.

wie auch immer, vor dem fenster lärmt wieder diese klimaanlage. die im übrigen in der beschreibung der ferienwohnung, ruhiger hinterhof, ganz unten, ganz am ende, hinter drei klicks versteckt, tatsächlich erwähnt ist. als potentielle lärmquelle, nun ja. sowas nennt sich marketing, richtig?

dabei fällt mir auf, dass ich bislang immer nur im sommer in wien war, die letzten zwei male im absoluten hochsommer. das sollte ich ändern und bald zurückkommen, einfach nur so, ohne klagenfurtbegründung. mal sehen, was sich in herbst und winter entdecken lässt. oder vielleicht besser im frühjahr? an meinem 60.?

entdecken lässt sich so viel hier. gestern zum beispiel eine passage abgehend von der mariahilfer, in der ich mich sofort in totnes wähnte, in der dortigen high street mit teeläden und bäckereien, esokram natürlich, allerdings ohne die druidenrichtung. an manchen ecken erwischt mich das wuppertaler treppengefühl, wenn zwischen zwei straßen auf unterschiedlichen ebenen plötzliche jede menge stufen für eine abkürzung auftauchen. kommt allerdings nicht so oft vor. berlin habe ich noch nicht gefunden. außer in dem „berliner döner“ vielleicht, eine paar schritte von meiner unterkunft. der sieht autentisch aus und riecht auch so, sehr vertraut. testen möchte ich das angebot dennoch nicht, das tue ich ja auch in neukölln so gut wie nie. doch das einzige, was hier komisch wirkt, ist, dass der laden mit dem rücken an einer kirche klebt.

und das wiederum ist wien. überall sind kirchen, auf schritt und tritt stehen sie da. und stören noch nicht einmal.

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meinwien/4

29. Juni 2022 - 19:44

ich liebe die ruhe, die gemächlichkeit dieser stadt. das trifft es nicht, nicht gut genug zumindest, ich weiß. es klingt fast gemein, und so meine ich es natürlich gar nicht. vielleicht ist es das fast vollständige fehlen von aggression im straßenverkehr. vielleicht kommt es mir nur so vor, im vergleich zu berlin. wo inzwischen alle und jedes einander verachten, anschreien oder sonstwie angehen, nahezu immer. permanent. dagegen herrscht hier wirklich gelassenheit.

gelassenheit, das trifft es.

ich tue nicht viel, laufe nur ein wenig umher, atme die stimmung, mal hier und mal da. ich esse ein bergamotteeis, ja, so etwas gibt es hier. und ich schaue, mehr nicht. ich sehe, wie die gebäude beieinander stehen, wie das alte am neuen kratzt, nicht umgekehrt. auch das gefällt mir, das ist gut. ich frage mich, warum ich das früher nie gesehen habe. wo ich doch immer wieder mal hergekommen bin, um genau danach zu suchen. seit den 90ern, wenn ich mich recht erinnere, ein versuch nach dem anderen. und alle irgendwie erfolglos, haben mich ratlos gelassen.

die dumme geschichte meiner herkunft, im grunde kein bisschen besonders. nur dass ich eben seit jeher danach gegriffen habe, als wäre sie etwas besonders. dass ich sie mit mir herumtrage, vor mir her mitunter, und es doch nicht verstehe. was ich eigentlich damit will. in wien will ich sterben, das habe ich als kind schon gesagt. ganz leise, nur für mich. als würde sich auf die art der kreis schließen können, irgendwann.

ich weiß noch nicht, was das bedeuten wird. es kommt sicher darauf an, welchen weg mein schreiben nimmt. oder besser, ob das schreiben doch noch in die öffentlichkeit finden wird. (ich gehe einfach mal davon aus.) in den fall stünde es außer frage, dann müsste ich herkommen, nicht immer wieder mal. dann müsste ich bleiben. (und das ist ja nicht unmöglich, nicht nur, weil ich europäerin bin. ich bin ja längst dabei, meine ursprüngliche staatsangehörigkeit endlich offiziell zu machen.)

ich werde bleiben müssen, um jeden preis. weil hier die letzte geschichte wohnt.

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keine klagen/86

29. Juni 2022 - 10:46

langsam zählt mir die (deutsche) corona-warn-app die bachmannpreistage runter, einen nach dem anderen. ich beklage das nicht, ich betrachte es nur. das war abzusehen, wie nach der re:publica auch. beim tango-festival nächste woche wird es dasselbe sein, spätestens dann werde wohl auch ich mal in der infektionsauspielung berücksichtig werden. hoffentlich, denn ich muss ja vorher noch irgendwie nach berlin zurückkommen.

irgendwo habe ich gelesen und auch sagen hören, dass die diesjährigen teilnehmer*innen des bewerbs die preisgelder gerecht unter sich aufteilen wollen. das ist eine schöne idee, um zu einer art gerechtigkeit zu finden, wo es per se keine gerechtigkeit gibt. ich bin gespannt ob und wie sich das umsetzen wird und bin diesbezüglich tatsächlich skeptisch. gerechtigkeit ist eine illusion und lässt sich auch mit geld nicht einkaufen. aber wer weiß, vielleicht wird es doch ein klein wenig besser. alles.

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meinwien/3

29. Juni 2022 - 00:28

den ganzen tag unterwegs gewesen und dabei viel gefunden, ohne nach etwas gesucht zu haben. so gefällt mir das, stelle ich fest. das sollte ich viel öfter machen. oder geschehen lassen, das trifft es wohl besser. eines will ich dabei hier erst einmal auslassen: meinen besuch in der mariahilfer straße 173-175, ein kleiner spaziergang von hier aus. (also schon so knapp zwei kilometer, aber als berlinerin bin ich distanzen ja gewöhnt.) das haus dort wollte ich sehen, dieses haus, einfach nur davor sitzen, es anschauen und ein bild machen vielleicht. obwohl das verlinkte bild schon ziemlich genau stimmt, so sieht es aus. dann habe ich aber noch ein paar aufnahmen von der tür machen wollen, der nummer oben, und durch das glas geschaut, als gerade eine bewohnerin ankam, die tür öffnete, eintrat und nicht hinter sich sah. da konnte ich dann also hinein, rein theoretisch, schnell hinterher. eigentlich ist das etwas, das ich nicht so gern mache. einfach so. dabei komme ich mir verboten vor und unverschämt. doch genau das habe ich dann getan, natürlich. ging gar nicht anders.

davon will ich später schreiben, auch die fotos aufbereiten. es gibt viele. vermutlich aber erst, wenn ich zurück in berlin bin, am großen bildschirm wird das bestimmt besser.

anschließend auf in den 4., so sagt man hier zu den bezirken, also den kiezen, nein, eigentlich eher den stadtteilen. im 4. also, einen internetmenschen treffen. sowas mache ich ja auch nicht allzu oft, das ist so zehn bis fünfzehn jahre her, das man das andauernd gemacht hat. so auch ich, gelegentlich, doch das ist lange her. es war also eher spontan heute, und irgendwie genau richtig. zumal sich im anschluss noch eine feine kleine lesung ergeben hat, im read!!ing room in der anzengrubergasse. (ich als zuschauerin natürlich.) wie lustig, dass es bei mir um die ecke in berlin eine anzengruberstraße gibt. anzengruber, aha, das habe ich noch nie nachgeschlagen.

auf dem heimweg gab es ein topfeneis. ich war kurz davor, wie eigentlich fast immer, schokolade zu nehmen. aber topfeneis, das gibt es nur hier. da musste ich wohl.

jetzt ist es spät, ich muss ins bett. leider dröhnt da heute wieder die klimaanlage. verdammt.

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meinwien/2

28. Juni 2022 - 11:33

immer noch schwer begeistert von meiner kleinen wohnung. gestern nacht blieb auch die klimanlage still, das war eine freude. regen gab es nicht so viel, aber ein wenig schon. heute wird es also angenehm, hoffe ich.

den abend im museumsviertel verbracht, mit einer wiener bekannten über das schreiben von allen möglichen fiktionen gequatscht, lange her sowas. das ist zu selten, liegt aber in der natur der sache. romane sind langwierige projekte, die so gut wie allein bewältigt sein wollen. ein wenig neidisch bin ich, dass sie da einen anderen weg gefunden hat, begeistert von perfekt passender zusammenarbeit berichtet. aber gut, sie schreibt für ein anderes medium, wo eben das naheliegender und dementsprechend leichter ist.

absatz.

da ich mir für diese woche nichts fix vorgenommen oder geplant habe, werde ich für heute wohl einfach mal loslaufen. mit dieser kamera vielleicht, die ich viel zu selten nutze.

let’s play it by ear. wie die ukulele.

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keine klagen/85

27. Juni 2022 - 16:42

und dann klang gestern alles so, als würde es doch noch ein nächstes jahr geben. von wegen auslaufmodell, auch ich habe mich von allen verabschiedet, indem ich allen „bis nächstes jahr“ gesagt habe. und gemeint habe. sogar so gemeint habe, das ich werde arbeiten müssen. und wollen. weiterschreiben.

erst hier, mit ein wenig zeit für die richtige welt, die nachrichten und so weiter, die mich ein paar tage lang nur tangiert haben, kam es mir wieder. wie absurd das alles ist, wie wenig konkret und alles andere als sicher. doch eben das ist es wohl, sowieso immer. nichts ist sicher, aber noch gibt es möglichkeiten für einen nächste schritt. wie im tango.

überhaupt, tango. nächste woche ist das festival, und ich bin mal wieder voll engagiert. keine gute idee, nach der re:publica und den tddl ist wien nur eine kleine pause, in der menschen nur vereinzelt vorkommen. absolute übermenschung, die mich ja meist desolat und irgendwie bekloppt rüberkommen lässt. dazu kommt der reisestress, und das festival bringt mich darum, den nachreisekater solide auszukurieren.

ach, dass man sich das nicht aussuchen kann. übers jahr verteilt wär es ja okay gewesen.

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meinwien/1

27. Juni 2022 - 14:36

die stadt empfängt mich mit der größten menschenmasse auf einen schlag seit immer, wie mir scheint. am hauptbahnhof bin ich noch nie angekommen. der wiener hauptbahnhof scheint auf den ersten blick ein riesiges durcheinander zu sein. westbahnhof wäre so viel schöner gewesen, nur einen kilometer laufen bis zur unterkunft. nachdem mir aber der in selben zug gereiste und in wien beheimatete klagenfurtgast mir grob die richtung gewiesen hatte, taxi links, u-bahn recht, es gäbe auch einen bus, ging alles ziemlich schnell. die wochenkarte für die kernzone kostet 17,10€, wobei ich nicht weiß, was genau die kernzone ist. aber egal, das ist gekauft. keine stunde später stand ich in meinen appartement, keine 25qm, aber alles drin. ein überaus bezahlbares stück wohnen in wien für mich.

auch gestalterisch wie für mich gemacht. gelungene details, platzsparend und geschickt gelöst, keine besonderen möbel, viel aus dem bekannten möbelhaus, aber lustig eingesetzt. eine deckenlampe zum beispiel hängt an der küchenwand. eine begehbare dusche, durch die man auch zum klo geht und bilder, die nicht stören, ja, zum teil sogar passen. die hinterhoflage bescherte außerdem eine wunderbare ruhe. allerdings nur, bis in der nachbarferienwohnung die klimaanlage eingeschaltet wurde. die brauste und brummte dann die ganze nacht vor meinem einzigen fenster.

dennoch dachte ich gleich: sowas als zweitwohnung, als schreibzeitort, als altersarmutssitz vielleicht haben zu wollen. zu besitzen am besten (haha). damit sackte die utopie zügig in sich zusammen, logisch.

heute dann, schlafen und aufwachen ohne wecker. was nicht wirklich viel später war als in den tagen zuvor und auch nicht wesentlich später als sowieso. aber eben ohne wecker. auch nach dem aufstehen ziemlich rumgedümpelt, etwas orientierungslos, weil es ab jetzt keinen plan mehr gibt. schließlich aber doch endlich geduscht, dann milch für den kaffee besorgt und auch sonst ein bisschen den kühlschrank gefüllt. es ist ja übersichtlich, die zeit bis freitag.

jetzt erst, es ist fast nachmittag, kommt mir die frage, was ich denn hier will. 2019 gab es da eine idee, aber ich erinnere mich kaum noch. jedenfalls wollte ich 2020 zurückkehren und weitersehen. klar, da sind noch die zwei weiteren bücher (haha), die beide mit wien zu tun haben. eines ein bisschen, das letzte, wenn es denn dazu noch kommen wird, recht viel. darauf wollte ich hinarbeiten, das weiß ich noch.

und es gab die idee, vielleicht hierherzuziehen. immer schon, seit ich klein war. später ist kurzfristig zürich dazwischengekommen, was ich heute kaum noch nachvollziehen kann. dann war es wieder wien. doch auch der gedanke, sich durch die welt zu bewegen ist mir in den letzten zwei jahren so dermaßen aus dem kopf verschwunden, dass ich eindeutig begonnen habe, mich in neukölln einzurichen. für immer womöglich, obwohl ich in berlin so zehn bis fünfzehn jahre nur bleiben wollte.

meine mitbewohnerin in klagenfurt hat mich gestern an mein wien erinnert, als sie davon sprach, in fremden städten gerne in ferienwohnungen zu residieren, um das alltägliche leben dort ein wenig ausprobieren zu können. vielleicht tue ich ab heute einfach das.

und ich gehe hin und schaue mir das haus an, in dem mein opa im august 1902 gemeldet war. dieses haus, es steht noch. (viel mehr dazu hab ich noch nicht herausbekommen. ich muss erstmal herausbekommen, wie man solche alten geschichten herausbekommt. wenn überhaupt.)

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keine klagen/84

26. Juni 2022 - 23:41

zuerst einmal: keine klagen bezüglich der gewinner*innen. ich hätte zwar eine frau mehr* auf dem zettel gehabt, aber es gibt nie genug preise in kunst und literatur. weil eigentlich so viel irgendwie auch gut ist, auch wenn es schwache stellen hat. auch das hat seine berechtigung und seinen preis.

darüber hinaus rede ich wenig und schreibe hier überhaupt gar nichts über die texte, ich bin keine kritiker*in. früher habe ich das mal versucht, aber nur für die klagenfurttexte. ich dachte, das soll so, doch es geht einfach nicht, ich kann nicht. so etwas ist quasi das einzige, was ich komplett aus dem netz entfernt habe. ich kann nur über das handwerk reden, mitunter, ich kann erkennen und zu vermitteln versuchen, was zuviel ist oder fehlt, was möglich sein sollte. doch auch das tue ich recht selten, mangels gelegenheit.

nach der preisverkündigung bejubelt sich die jury selbst. man hätte gut zusammengefunden oder so, keine ahnung. man kenne sich ja nun schon so gut, hätte zueinandergefunden und funktioniere miteinander. so in der art, das war gegen ende, da war ich schon auf dem sprung zum zug nach wien. außerdem wollte ich das nicht so recht glauben, was ich da hörte. nun gut, das war teil der fernseh-show, und ich sah das spiel von der seite her im garten. so etwas verzerrt, selbst der ton war dort zu schrill. aber auch inhaltlich ging es am kern oder am wurm, wie ich gestern meinte, vorbei.

den wurm kann ich aber immer noch nicht benennen. es könnte etwas mit willkür zu tun haben, das war alles so willkürlich. und die faktische betrachtung oder kritik zwischen den vorwürfen und kleinkriegen kaum auszumachen.

mit der außenbühne hingegen habe ich einen kleinen frieden geschlossen. die letzten zwei lesungen am stamstag habe ich dort verfolgt. das war ein wenig umständlich, weil kaum noch plätze frei waren und mir regelmäßig ein großer kameraarm die 12,5kg-kamera (stand handschriftlich hinten drauf) genau vors gesicht fuhr. eines steht fest, da draußen ist jetzt die party, das wollen die leute sehen und hören. dafür sind sie da. und drinnen, die jury, ist ausgeschlossen, abgekapselt. irgeneine*r von ihnen hat das sogar angedeutet, in der live-show, wenn ich mich recht erinnere.

so soll das sein, deko hin oder her. der text ist die musik und das anschließende reden darüber nur so etwas wie magermilchersatz in pulverform.

* ohnehin hätte es eine frau mehr sein sollen, wenigstens.

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keine klagen/83

25. Juni 2022 - 00:10

regen und wind in der nacht, das ist gut. die tage sind voll, nicht immer finde ich den punkt. ruhe lebt ohnehin nur im text, das sollte ich mir merken. alles andere ist auch da, auch das ist gut. aber ich bin das nicht. vielleicht ist dieses klagenfurt ein auslaufmodell, für mich. so schön es hier ist, auch diesmal. diesmal vielleicht sogar ein bisschen mehr, wegen der zwei jahre pause. und wegen ein paar menschen, die lange nicht hier waren. das weckt erinnerungen, die nicht die meinen sind. verrückt.

aber es ist auch vieles anders. die texte am lendhafen werden jetzt einzeln zugeteilt, und als ich einem hinterherlaufe, weil mir trotz ausgestreckter hand keiner ausgehändigt wird, werde ich zum thema textgerechtigkeit belehrt. (am lendhafen ist es dennoch toll!) im studio wurden jury und autor*in getrennt. die jury sitzt allein innen, mit ein bisschen publikum, drei kameraleuten und je einer fixen kamera mitten ins gesicht. die autor*innenbühne außen ist eine gemeinheit, besser noch: eine unverschämtheit. zum einen die räumliche trennung an sich, da finde ich keine grund. außer der entzerrung der publikumsdichte vielleicht, dann würde sich das mit der zeit wieder verwachsen. hoffentlich. die gestaltung dagegen, die deko. und ich meine wirklich deko, wie ich es früher mal gelernt habe, warenpräsention im weitesten sinne. (nicht das aufhübschen von wohnraum mit tüddelkram.)

diese außenbühne! mit grünzeugtöpfen, einem alten teppich, wie man ihn in proberäumen unter das schlagzeug legt. dazu kisten und tüten mit büchern, irgendwelchen, nicht zwingend literatur, auch lexikonbände liegen da, koch- und malbücher. nein, letzteres dann doch nicht, aber schon zeug, das irgendwie nicht passt. dekobücher. kleine stapel davon, bei den stufen zu beispiel. ich musste nachsehen gehen, ob sie nicht aus pappe sind, hohl hinten, wie damals in der lehre. und die bühnenfront, im grunde schwarz,  ist mit einer art fundholz oder totholz oder wie das heißt, dünne stöckchen eben, garniert. an der stelle wirkt es nur noch lächerlich.

dann ist da noch was mit der jury, das ist vielleicht das schlimmste. da ist ein wurm drin, ich weiß noch nicht. vielleicht morgen. und vielleicht greift das zurück auf den ausgangspunkt, das auslaufmodell.

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