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bonding (18)

16. Juni 2018 - 22:52

auf der suche nach sparringspartnern kommt es vor, daß man in kämpfe gerät, mit denen man so nicht gerechnet hätte. auch beim schreiben, bei der arbeit an der schreibarbeit. eigenartiges tun. dann geht es auf einmal gar nicht um dies geschichte, um den text, sondern es greift tief in die vorstellung vom schreiben und vom leben nicht zuletzt. und dreht dort alles auf links und wieder zurück. anschließend ist nichts mehr wie es war oder sein soll. was auch immer, es steht in frage.

schön ist das nicht, doch je größer das gefälle, desto mehr sollte man dazu schweigen. das immerhin weiß ich inzwischen, es geht nicht um ich. ich bin nur ein schatten, ein spieler, ein nichts. doch wenn das eigene fremden welten begegnet, passiert nicht zwingend ein verstehen. im gegenteil, und im mißverstehen gerät alles in schräglage, rutscht und stürzt. und was dann?

von einem sollte man ausgehen: auf der suche nach sparringspartnern, auch im schreiben, trifft man auf adäquate gegner. nicht immer auf das, was man sich wünscht. nicht zwingend auf den harmonischen austausch, der beflügelt und berauscht. das ist schade. unbrauchbare gegner aber gibt es nicht, darauf ist verlass. so sitze ich jetzt hier und überdenke struktur und ansatz des romans, bis hin zu erzählstimme und -stimmung. nichts davon stelle ich in frage, dazu war der angriff zu schwach, zu wenig fundiert. dennoch frage ich mich und finde antworten. ich kläre mich, hebe den blick und verstehe, was ich tue, was ich will.

so soll das, so geht es weiter.


16. Juni 2018 - 22:14

die augen geschlossen und schlafen und wachen zugleich. zwischen den welten regen sich welten, in bildern, in formen, in licht. auch farben und musik mitunter, aber nicht oft. dort war ich als kind, darin habe ich gelebt. und gewirkt, nacht für nacht.

heute bin ich ein seltener gast, so ist mir die zwischenwelt zur ödnis geworden mit der zeit. auch diesmal ist alles nur grau in grau und wenig belebt. nur helles grau in rascher bewegung, kaum zu für wahr zu nehmen. bis sich ein gesicht bildet, augen, nase, mund. bis ich meinen vater erkenne.

ich sage: ja.


bonding (17)

10. Juni 2018 - 12:30

experimente. etwas anderes bleibt mir wohl nicht in bezug auf das dranbleiben, das mir einfach so im alltag nicht gelingen mag. seit letzen sommer nicht, obwohl ich – immerhin – am thema, im text geblieben bin. das ist ein glück, aber es war auch höchste konzentration und disziplin. und immer noch befinde ich mich in der überarbeitung, gerade mal durch die hälfte des ohnehin schon angelegten materials bin ich seither. das ist unbefriedigend, definitiv. ich bin besser, ich kann mehr. das weiß ich.

daher also nun die experimente. als erstes zusammen mit einer (zufällig zusammengestellten) gruppe, die genau so heißt wie das, was ich dringend entwickeln muß: dranbleiben. an diesem angebot führte kein weg vorbei, bei aller skeptik, schon allein wegen des titels. so bin ich nun also sewit ende mai und bis ende august eingespannt in einen 14-tägigen rhythmus mit einer knapp 10-tägigen arbeitsphase.

rückblickend auf die erste arbeitsphase, die morgen abvend endet, stelle ich fest, daß es durchaus bereits ein wenig funktioniert. ich habe strukturelle arbeit gemacht, bin den vor mir liegenden text durchgegangen, zirka dreißig seiten durchgegangen, die danach statt in vier mit einem mal in sechs kapitel eingeteilt waren. geplant war das nicht, aber es ist sinnvoll, denn noch befindet sich der rohtext in der aufbauphase. er wird also noch wachsen, inhaltlich, in bezug auf details vor allem, vielleicht kommen auch noch kleine schleifen hinzu, von strängen will ich mal lieber nicht reden. aber wer weiß? wie auch imer, das textvolumen wird mit ziemlicher sicherheit nich wachsen. (und später geht es dann ans kürzen, auf jeden fall. das ist der lauf der dinge.) außerdem gegen wohl die arbeitstitelfindung, der beruf meiner ich-erzählerin und ein paar andere kleinigkeiten aus das konto der gruppenbedingten disziplinierung. das ist auch nicht schlecht.

und jetzt sitze ich hier, heute, an diesem superheißen sonntag. und ich schwitze, denn es ist für mich der letzte arbeitstag vor der abgabe. so steht es in meinem kalender. ein kapitel will ich final durchgehen, das vierte, an dem ich schon ostern gesessen habe. auch das habe ich im laufe der arbeit daran noch einmal geteilt, von daher ist es nicht ganz so schlimm. dennoch, zu ostern hat es geschneit, jetzt ist hochsommer. ich muß los, ich muß an die arbeit. jetzt.


global

05. Juni 2018 - 22:09

bei dem überraschenden famlientreffen vor ein paar wochen, horizontal angelegt, also die cousinen-cousin-linie, saßen dann fünf so in etwa gleichaltrige mittelalterliche menschen irgendwo am rhein beieinander, nur zwei fehlten, die beiden jüngsten. außerdem trafen fünf oder sechs oder vielleicht auch nur vier, ich weiß es so genau gar nicht, unterschiedliche staatsangehörigkeiten aufeinander, zum teil doppelt vergeben oder ganz selbstverständlich zwei davon auf eine person verteilt. und ich war die einzige deutsche. nur deutsche. seltsam.


bonding (16)

04. Juni 2018 - 00:13

etwas von dranbleiben schrieb ich im april in hamburg. das ist fast zwei monate her, und nichts hat sich getan seither. nein, nicht nichts. aber nur wenig, und nichts davon am text. für einen einigermaßen angemessenen titel habe ich mich entscheiden können. endlich. einer der für die arbeit taugt, immerhin. und meine ich-erzählerin hat mir ihre berufliche ausrichtung verraten. auch das erleichtert mich. es wird für die story zwar nicht besonders wichtig sein, aber dennoch muß ich über die erzählte zeit hinweg, die ja einiges an jahren umspannt, darüberinformiert sein. andere kleinigkeiten noch, die vielleicht gar nicht so klein sind. dennoch fallen sie mir heute abend nicht ein.

doch ja, es geht weiter, mit jedem kleinen fetzen. das alles ist wichtig, ich weiß. noch ermüdet es vor allem, begeistert mich wenig und sitzt nicht auf dem punkt. eher liege ich immerzu hauch daneben.

aber es ist eben noch längst nicht alles erschöpft.


kein baum, kein haus, aber ein boot

22. Mai 2018 - 21:41

so ist das jetzt. ein gummiboot mit luft, eine ente. eine recht lahme, verglichen mit den schnittigen hartschalenkanus, denen man unterwegs so begegnet. aber meine ente. NTE!

eine großer vorteil ist die leichtigkeit der NTE, etwas mehr als drei kilo. wie auch ein großer nachteil, bei gegenwind zum beispiel.

(die ausfahrt fand in der feldberger seenplatte statt und die bilder hat regine von mir gemacht.)


rücksicht

17. April 2018 - 23:56

kaum eine woche wieder auf dem motorrad unterwegs. und schon ärgern sie mich wieder, die unachtsam zwischen allen fahrspuren agierenden autolenker. die frau immerhin hat entschuldigend gewinkt, nachdem sie meinen weg einfach mal so gekreuzt hatte. alle anderen scheinen nicht einmal zu merken, was sie so tun. der taxifahrer zum beispiel, der erst vom straßenrand aus vor mir kreuzend auf die linke und dann unmittelbar darauf gleich wieder vor mir auf die rechte spur fahren mußte, um dort dann unvermittelt anzuhalten? keine ahnung, was der sich gedacht haben könnte. aber meckern konnte er, weil ich dann erstmal hinter ihm zum stehen kam, da der nachfolgenden verkehr nicht sonderlich gewillt war, mir ein einfädeln zu ermöglichen. besonders unberechenbar allerdings sind die, die telefonieren, ob nun mit oder ohne telefon am ohr. die in ihren businessschlachtschiffen wild gestikulierend ihrem business nachgehen, dabei einhändig durch den verkehr schlingern, nicht besonders rasant, dafür aber mit dreistester blindheit. wirklich gefährlich.

da bleibt mir wohl nichts, nur diese drei: vorsicht, übersicht und nachsicht.


bonding (15)

14. April 2018 - 21:16

ich muß dranbleiben, darf mich nicht wieder völlig verzetteln. und darüber den text nicht nur verlieren, sondern womöglich vergessen. also teste ich strategien aus, setze mir zeiten und orte fürs schreiben. heute in einem hamburger café, warum auch immer.

fertig geworden bin ich nicht mit dem anstehenden vierten kapitel. aber besser ist jetzt doch so einiges. überhaupt wird alles immer besser.


in hamburg

14. April 2018 - 21:00

wann immer ich in hamburg bin, ist es kalt, naß und dementsprechend häßlich. hamburg an sich ist von allen mir bekannten städten die für mich unsinnigste. so war es von anfang an, und das ist jahre her. die menschen hier stecken so selbstsicher in ihren zerknitterten regenjacken. groß sind sie, haben riesige hände und füße und mäuler. durch und durch erwachsen scheinen sie mir, wenn sie ihr allumfassendes moijn in die welt rufen. das macht mir angst, und nur deshalb muß ich wohl so maßlos übertreiben und vereinfachen.

berlin ist da von grund auf anders. die menschen zappeln herum, mal so und mal anders, als stünden sie beständig unter schwachstrom. mehr aber auch nicht. wenn es regnet stehen sie in schlappen auf der straße und wundern sich. oder sie sitzen mit schirm in der hand aufrecht auf dem rad. erwachsen ist niemand, auch die erwachsenen nicht. alle suchen und suchen nach dem, was sich mal finden oder erfinden lassen könnten. oder sie behaupten es zumindest. auch das ein klischee und daher unzutreffend.

doch was will ich hier, ausgerechnet, warum bin ich hamburg? war ich nicht ohnehin viel zu viel unterwegs in letzter zeit? der termin ist morgen erst, und es gibt nicht wirklich einen grund, gestern schon anzureisen, um heute den ganzen tag hier zu verbringen. vorbereiten können hätte ich mich auch zu hause, obwohl ich es vermutlich nicht getan hätte. noch weniger als ich hier dazu in der lage war, die fremde schwer hamburgs lag darüber. die gewissheit, daß diese stadt mich nicht einlassen wird. niemals.

und als schreibzeit? nun ja, auch das war angedacht und kann letztendlich nicht als gänzlich mißglückt bezeichnet werden. die unterkunft habe ich in vollem wissen um ihre schreibuntauglichkeit gebucht. die aus dem letzten jahr stand mir nicht mehr zur verfügung, deshalb sitze ich nun in einer art zelle, in der im grunde nur ein bett und ein fernseher platz hat. und netz natürlich. schreibarbeit unter erschwerten bedingungen, so gesehen war ich recht erfolgreich.

schreiben im öffentlichen raum. korrigiert habe ich oft außer haus, mit bleistift und papier im café. das geht. aber mit laptop? arbeit am offenen herzen der romandatei. in hamburg?

ging auch. was mich überrascht hat. wobei es ja nur überarbeitungen waren, aber egal. es war schreiben, eintauchen in das material. in die menschen, was sie tun und was sie reden. es ging gut. sehr gut sogar. vielleicht sollte ich mir in berlin genau so einen platz in einem café suchen, mit steckdose am besten, und immer wieder mal besuchen. ja?


11. April 2018 - 23:27

man muß nur anfangen, sag ich ja immer, danach wird es leichter. alles. (nun ja, wenn die pausen nicht zu abgründig werden.) nach dem aufwachen, dem losgehen. das schreiben und das träumen, da muß man nur dranbleiben. doch an den anfang gewöhne ich ich nie. an die halb offenen augen, die dämmerung, die bodenlosigkeit. an das weiße blatt und den leeren eingabebereich.

deshalb graust es mir wohl auch jedes jahr im frühling, wenn ich das motorrad wieder in betrieb nehmen will. man weiß ja nie. anfänge dauern, mitunter.

oder ist das die angst vor der traumlosigkeit, die mir selbst noch nie passiert ist. die ich aber gesehen und gefühlt habe in menschen. zu nah mitunter.