am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (141)

nach dem etwas schwierigen ersten kapitel, das grundsätzliche hineinfinden in den text, die komplexizität des anfangs und überhaupt. schreiben ist arbeit. die zwei nächsten kapitel waren aber schon deutlich leichter. die ausrichtung des zu bewältigenden schreibprozesses zeichnet sich ab. das ist gut.

es ist eine art säubern. zum einen stilistisch und sprachlich, hier und da dreht der duktus noch seltsame schleifen. ganz zu anfang nicht wirklich ein wunder. zum anderen geht es um die eliminerung von wiederholungen und unsinnigen details. das geht weit über das hinaus, was meine agentin ohnehin schon angemerkt hat. und es ist weitflächig verteilt, überall muss ein bisschen was weg. also keinesfalls hier mal ein abschnitt und dann gleich eine ganze seite. leider so gar nicht, das macht die arbeit aufwändig. ganz zuletzt gilt es echte fehler auszumerzen. also das zu beheben, was den figuren nicht entspricht, weil ich sie ganz zu anfang noch nicht richtig begriffen hatte. dasselbe gilt auch für die storyführung, aber das ist ein kleines. soll heißen: da ist überraschenderweise gar nicht so viel.

so etwas habe ich lange nicht gemacht. oder anders: bei so einem unglaublich langen text habe ich es überhaupt noch nicht gemacht. so tief drin war ich bislang nur in wesentlich kürzeren texten. totfroh bin ich, dass ich erst einmal nur durch zirka 130 seiten muss. außerdem ist da die hoffung, dass zumindest der stil sich nach dem ersten drittel eingependelt hat und nicht mehr so schwankt. alles andere bleibt natürlich zu beachten. die fehler und die wiederholungen vor allem, die überdetaillierungen.

das alles später.

jetzt gehe ich schritt für schritt, ein kapitel nach dem anderen. und eine mächtige regel hat sich dabei bereits herauskristallisiert. es darf nicht länger werden, an keiner stelle, auf keinen fall. stattdessen muss jedes kapitel wenigstens eine seite gekürzt werden. das klingt seltsam, aber so zwinge ich mich. so ist es gut. bislang habe ich mich daran gehalten.

also wird es gut.

welten und die welt

das war ein durchaus besserer tag heute, einer mit weit weniger schmerz und ganz ohne schmerzmittel. ich beiße mich durch die zeit, spüre an jedem ende meines wesens die erschöpfung. da ist sie wieder, und ich weiß ja: weit war sie nie.

das tägliche virus-update ist nicht gerade hilfreich. england ist abgeriegelt, isoliert durch eine art vorgezogenem brexit. ein corona-brexit. tausende von lkw stauen sich vor den grenzen, auf der insel und auf dem festland gleichermaßen. was für eine üble ironie. wir sind eins, gehören alle zusammen. doch es gibt wieder grenzen, überall.

ich habe große sehnscht nach menschen. nicht nach bestimmten, das lässt sich regeln, irgendwie. oder auch nicht, doch wen kümmert das. dass leben aueinandergerissen werden, davon spricht kaum noch wer. egal. ich habe sehnsucht einfach nur danach, dass es menschen gibt, deren existenz ich wahrnehmen könnte. für eine weile, ganz dezent, in einem café vielleicht oder meinetwegen in der u-bahn. so weit ist es mit mir gekommen, so tief unten krieche ich in der hierarchie der wesenheiten.

für mich gibt es nur noch den supermarkt, und das ist nicht angenehem. da war ich heute morgen als erstes, und es war eigenartig. zu voll und viel zu hektisch auch. nicht gut, um menschen wahrzunehmen.

schreiben hilft, ja. aber auch schreiben strengt an. ich komme kaum mehr über meine grenzen. vielleicht reicht es trotzdem. vielleicht ist aber auch hier das limit erreicht. schlimm ist das nicht, es geht sicher ohne noch mehr. vermutlich. denn es ist schon viel, mehr als ich jemals gedacht hätte. doch es wäre auch schön, könnte ich noch die eine oder andere grenze sprengen. sprachlich und auch sonst.

vor allem aber schreckt mich die permanenten präsenz von nähe und begegnung in dem text. es ist eine andere welt, im grunde nicht mehr existent. ich liebe es, darin zu versinken. und es tötet mich.

bonding (140)

das erste kapitel. acht seiten nur, das hat aber dann doch gedauert. reinzufinden, überhaupt einen anfang zu machen. so lange war ich gedanklich nicht an dieser stelle im text. eine recht unsichere stelle noch dazu. dabei ist es doch wichtig, dieses erste kapitel. unendlich wichtig. muss ich erklären warum?

genau da, direkt am anfang habe ich losgelegt. einfach so, damals vor zirka sieben jahren. genau genommen noch ohne zu wissen, wo das ganz hinführen sollte. und so liest es sich jetzt dann auch, wenn ich ehrlich bin. unklar und wenig scharf, viel geschwurbel auch. (reflektion, nennt meine agentin das. weniger reflektion, steht dann da am rand mit bleistift. das ist so lieb!)

also streiche ich einiges, sortiere um und füge den missmut zwischen den zwei personen ein, die dort agieren. von dem ärger wusste ich am anfang noch nichts. damals, als alles nur geschwurbel war, nur ich und nichts anderes. das hat sich geändert mit der zeit, mit den jahren. nur auf den anfang habe ich nicht geschaut, konnte es einfach nicht sehen. bis vor ein paar tagen, eine woche vielleicht. dann war es mir plötzlich klar. und jetzt wird es auch gleich zu beginn die figur, die dann doch ganz anders lebt als ich. obwohl sie mir im grunde recht nah geblieben ist. jetzt wird es so, wie es muss.

hoffentlich. denn morgen muss ich da wohl noch mal einsteigen. schauen, ob die spannung stimmt, die verschränkung. schließlich ist es der anfang, der einstieg. ach je.

ansonsten war der tag ein arger mist. eigenartige rücken- und kreuzschmerzen in wechselnder, wandernder position, die sich tatsächlich nur mit recht viel ibu bewältigen ließen. beinah so wie früher die allmonatliche präpotenz (pms), was aber eigentlich gar nicht mehr sein kann. weil es ja nicht mehr ist. oder doch?

mal sehen, wie sich das über die nacht entwickelt. noch so ein tag würde mir wenig behagen.

schreibzeit (57)

lange her, der text hat gelegen, ist gegangen vielleicht. in sich oder auf, wie ein teig. ich weiß es nicht, ich habe nicht hingesehen. ich habe ihn gelassen, war mit mir selbst beschäftigt. ich habe dem text vertraut, meinem text. dem kann nicht wirklich etwas passieren, nicht mehr.

jetzt aber nähere ich mich wieder, ab morgen. es ist zeit weiterzuschreiben. so war es verabredet, seit anfang november in etwa. mitte januar soll dann die dritte fassung fertig sein. das wird immer noch keine endfassung sein, natürlich nicht. aber es soll die werden, die dann anschließend an die verlage geht. noch diesen winter, wenn ich das richtig verstanden habe. es ist also wichtig.

daran mag ich aber gerade nicht denken, das liegt außerhalb meiner reichweite. auch außerhalb des textes, noch. das alles kommt ganz bald, aber doch erst später. erstmal müssen wir noch einmal eng zusammenfinden, der text und ich. nur wir beide.

es ist schreibzeit.

mein reichtum

ich gehöre ja zu den menschen, die nachts besser sie selbst sind als am tag. was mich auf ewig ein wenig seltsam macht in dieser welt, die derart auf klare kanten im tageslicht ausgerichtet ist. auf lineares wachstum anstelle elliptischen wandelns. oder dümplen vielleicht, wie ein loses boot auf dunklem wasser. abgründige sanftheit von unten, wie ein sog. beängstigend, dieses nichtwissen.

das macht anders reich, will ich sagen. denen, die die tageszeiten zählen.

heute mal whisky, keinen gin. scheint dann doch winter geworden zu sein in mir. winter ist eigentlich gut. besser als herbst auf jeden fall. und der whisky tat auch besser als all der gin in letzter zeit. aber eigentlich ist natürlich gar nichts gut, das ganze jahr schon nicht. da hilft weder whisky noch gin. da hilft nichts.

neuerdings drehe ich die heizung auf, bevor ich ins bett gehe. ich sitze dann im bett und schreibe in dieses blog. seit ich diesen kleinen, alten mac habe, ist das so. eigentlich habe ich den nur, weil er mich erinnert. das geräusch, das die tastatur macht. auch wenn ich das jetzt machen muss. egal. die dinge ändern mich.

morgen geht es los, da beginnen die rauhnächte. es ist zeit, aber heute war ich noch ich, ganz bei mir. es läuft, irgendwie. dabei ist es schrecklich, eigentlich. beängstigend.

eine kleine motorradrunde habe ich gedreht. weil da auf einmal ein zeitweises parkverbot war, hatte ich die kiste ein paar meter weiter abgestellt. und da war sie der müllabfuhr im weg, hab ich letzte woche vom küchenfenster aus gesehen. und heute war es so schön, nicht wirklich kalt und sehr sonnig, da musste ich einfach. fahren und tanken auch, luft in die reifen, wie immer nach einer weile. die batterie laden. und dann wieder an der richtigen stelle parken.

als gäbe es eine richtige stelle. als wäre da ein boden, auf dem etwas stehen könnte. das ist doch alles nicht. auch ich tue nur so, wie alle. leben auf einer dünnen schicht.

morgen oder spätestens montag geht es wieder ins buch. schreiben. ich weiß es schon, ich will es. auch wenn das auch nur so etwas ist, von grund auf grundlos. ich tue es doch.

gegenüber wird ein baum aufgebaut. die lichter schaukeln, es ist weihnachten. glücklich bin ich vor allem, wenn ich mir das neue rad anschaue, das hoffentlich bis zum frühjahr fertiggebaut sein und hier eintreffen wird. bis dahin habe ich bilder davon ausgedruckt. ich hole nach, wie es ist, wenn man beschenkt wird. das habe ich als kind irgendwie verpasst.

es ist gut, alles gut.

die x-blogs

vor diesem blog hier gab es zwei vorgänger anderswo.

das erste ist nicht mehr existent, das habe ich selber irgendwann komplett aus dem netz gelöscht. nicht weil es mir peinlich war, ganz und gar nicht. aber technisch war es bereits zum zeitpunkt seines entstehens komplett überholt. ich habe es selbst gebaut, ich glaube mit dem ms publisher. (himmel!) es hieß „protokolle“ und sollte ursprünglich mein damaliges schreiben begleiten, also protokollieren. so war die idee. es hat seinen zweck ganz gut erledigt, das war von juni 2002 bis dezember 2003. von blogs wusste ich anfangs übrigens noch gar nichts, ich habe also das bloggen für mich selbst erfunden. könnte man sagen.

das zweite blog war bei twoday gehostet und liegt nun dort im archiv. es hieß ad acta : ad absurdum und hat mir die ganze zeit nicht sonderlich behagt. ich weiß nicht warum, aber ich wollte ziemlich bald zurück auf eine eigene domain. „ad acta“ lief also nur von januar 2004 bis ende august desselben jahres. danach kamen nur noch ein paar vereinzelte belanglose einträge, denn da war ich schon hier zuhause. nur die domain war damals noch eine andere.

der name dieses blog hier hat sich auch mit der zeit gewandelt. erst hieß es „engl@absurdum“, später dann „engl@refugium“. nun heißt es schon eine ganze weile „raum für notizen“ und wohnt auf engl.jetzt. derzeit gefällt mir das noch richtig gut, aber wer weiß?

alles ist immer in bewegung.

die beiträge aus den „protokollen“ und von „ad acta : ad absurdum“ sind natürlich nicht verloren, die wurden immer gleich sauber in einer word-datei gespeichert. altmodisch und irgendwie albern, aber so mache ich es auch heute noch. und immer schon wollte ich die alten texte hier zufügen, weil sie natürlich genau hierhergehören. denke ich.

jetzt habe ich es endlich getan. 737 blogbeiträge habe ich in den letzten fünf tagen hier eingefügt: händisch!

zu finden ist das ganze also jetzt unter der rubrik x-blogs.

es gab bilder und links, in beiden alten blogs. die meisten links sind heute kaputt, bzw. einfach nicht mehr vorhanden. da kann auch ich oft nur raten. die bilder habe ich ebenfalls nicht mehr, d. h. manchmal gibt es einen eingeklammerten bildertitel. danach erstmal suche ich nicht, obwohl die sicher irgendwo sind. das lohnt wohl kaum. nur „ad acta“ bei twoday ist weitgehend komplett, das wusste ich bis eben gar nicht. dort gibt es auch kommentare, die in den protokollen völlig fehlen. die waren dort auch gar nicht möglich, die technik gab das nicht her. wenn ich mich recht erinnere hatte ich stattdessen ein gästebuch und ein forum.

so war das damals.

gerade arbeite ich alte blogtexte, die noch in anderen systemen verarbeitet wurden, hier in ein spezielles archiv ein. eine blöde arbeit, viel klickerei und copypaste, bin auch erst auf seite 25 von zirka 150, wenn nicht noch mehr.

aber wie das so ist, in alten tagesaktuellen texten zu graben. eben bin ich auf den ersten tag mit dem blöden, blauen motorrad gestoßen. das fahre ich ja immer noch.

#insight

mal ist es besser, mal schlimmer. insgesamt sieht es schlecht aus, zumindest fühlt es sich so an. langsam werde ich auf kleiner flamme eingekocht. reduziert auf das minimum, immer noch ein bisschen weniger, am ende bleibt sicher nicht viel. für mich allein wäre das wohl okay, auf dem rein existenziellen level komme ich zurecht. das habe ich als kind gelernt, zwangsläufig, auch da gab es nur nur wenig von mir, das es zu behaupten galt. im grunde war alles ein versehen. ich war allein, weil ich es nicht anders wusste. andere menschen waren illusion, nur eine erfindung von mir. so dachte ich, damals.

heute ist das anders, ich weiß es besser. ich weiß aber nicht, ob ich so leben kann, wie menschen eben leben. und doch. noch vor einem jahr wäre ich nicht auf diesen gedanken gekommen. jetzt aber spüre ich, deutlich, was ich bin. und was ich eben nicht bin, nicht sein kann und nicht sein will. da ist ein riss, eine kluft. nicht neu und auch nicht unüberwindbar weit. aber tief, so gähnend hohl, dass all meine ahnung hineingezogen wird.

und etwas in mir ist gebrochen, vor einer woche oder so. die verbindung zu all der anstrengung, die jahre und jahrzehnte, in denen ich mich so bemüht habe. das war weitgehend sinnlos. auf einmal steht da etwas klar im raum, wie so vieles auf einmal sichtbar ist. es ist eine gnadenlosen zeit, die alles belanglose verwirft. also spiele ich nicht mehr, ich schärfe meine enden.

das werden viele nicht mögen, auch mir selbst gefällt es nicht wirklich. die vorstellung, durchs feuer zu gehen und geschmiedet zu werden. dann gehärtet, wie stahl. so war es in der nacht danach, als die verbindung gekappt war. schlaflos und wild, als würde die struktur meiner substanz erneuert. wie soll das gehen?

dass mir die offenheit bleibt, das zarte und weite. die sanftheit, mit der ich mich durch die worte bewege.

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