am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding/173

verzeihung, ich habe vergessen zu berichten. selbstverständlich sind die besagten neun seiten am freitag fertig geworden, und damit ist alles und viel mehr erreicht, als ich zu hoffen gewagt habe. mir ist ein bisschen, als hätte sich die zeit ungemäß verschoben. oder die ebene, auf einmal wäre da wieder zeit, die sich vor mir ausbreitet. ich bin noch nicht sicher, wie ich das finden soll. ich denke an sisyphos, aber glücklich bin ich nicht darüber.

egal. diese zeit ist jetzt nicht. noch stehen drei kapitel aus.

der plan: dranbleiben. morgen geht es zurück ins büro, erst am mittwoch, nach der physio, kann ich mich in ein café setzen und das anstehende in papier durchgehen. mir also vorab eine übersicht verschaffen, wie ich es mir in der kleinen stadt versprochen habe. den rest der woche muss ich aber dann wohl ans übersetzen, eine ordentliche menge wegarbeiten. das ist weniger für das geld als vielmehr, weil da plötzlich so viel aufgelaufen ist in den letzten tagen. immerhin habe ich es geschafft, nicht unmittelbar den „urlaub“ abzubrechen und voreilig in die bresche zu springen. das ist doch schonmal was.

da bin ich also, zurück in der minutiösen planung von kreativität. im hintergrund tickt es, das ist die zeit, wie eine uhr. und das ist noch gar nichts.

ideen

alles geschafft, was ich mir im urlaub vorgenommen hatte, zum teil sogar mehr als das. zuletzt sogar noch die steuern, gestern bis spät in die nacht. der punkt allerdings stand schon für ende august auf der liste, das ist nun wirklich kein erfolg.

mit der rückkehr nach der berlin ist natürlich so manches anders geworden, insbesondere in bezug auf das schreiben. irgendwie beängstigend und traurig auch, wie schnell das wieder in den hintergrund rückt. zufrieden bin ich natürlich dennoch, so im großen und ganzen. und das gebe ich erst auf, wenn ich merke, dass womöglich die arbeit an den letzten paar seiten sich verzieht, also verflüchtigt. wenn ich das wiederum verweigern sollte, wie ein scheues pferd. das erwarte ich jedoch nicht und nehme es mir auch nicht vor.

heute also ist der tag, an dem ich zu sagen habe: jetzt könnte ich urlaub vertragen. den ganzen tag schon, und tatsächlich habe ich wenig konkretes erledigt. nicht wäsche geweaschen, wie ich es eigentlich vorhatte. vergessen. auch nicht gebügelt, weil ich endlich mal die neue bettwäsche aufziehen wollte. vergessen. die balkonpflanzen immerhin, die habe ich in die wohnung gerettet, aber das war schon vorgestern. das konnte ich nicht mehr vergessen. ein paar holzkisten im schlafzimmer habe ich gewachst, das stand gar nicht auf der liste, nur auf einer inneren vielleicht. es war also spontan und ist dann auch zu dunkel geworden. (wobei da aber sicher kein kausalzusammenhang bestehen sollte.)

heute war also wirklich ein urlaubstag, irgendwie. ein sonntag eben.

zwischendurch habe ich ideen. keine baukonzepte, zum glück, da hab ich gerade noch genug auf halde. aber worte und fetzen, schreibideen eben. für danach vielleicht, wenn mit den letzten seiten durch bin. irgendwann im nächsten jahr.

ich mache keine pläne, schreibe nichts auf, nichts fest. ich will mich nicht immer und immer wieder verschreiben.

das mit dem gas

ich bemühe mich, ein wenig nur und mit wenig erkenntnisgewinn, weil ich dass alles schon weiß, mein heizverhalten zu dokumentieren. unterstützt werde ich dabei von „meinem“ energiedienstleister. im september habe ich also 60% weniger verbraucht als vergleichbare haushalte, was immer das sein mag.

ja, ich habe im september schon geheizt. weil ich hier sitze, an diesem schreibtisch bei der arbeit, bis zu zehn stunden am tag. das geht nicht anders. und muss wohl auch nicht, einstweilen.

ich bin erleichtert.

bonding/172

so langsam kriecht der stress mich wieder an. im bad heute morgen gleich als erstes ein bisschen was kaputtgekloppt, ich bin so blöd. beim versuch, einen millimeterfeinen spalt doch noch irgendwie zusammenzubringen. mit einem gummihammer, verdammt.

das bad danach einfach im schrottmodus weitergebaut, also ein bisschen simpler als zunächst angedacht. auch die kaputte stelle nicht weiter rapariert. man sieht nichts davon, noch nicht. wenn es irgendwann ganz kaputtegeht, muss ich mir was ausdenken. egal, ob das dann sichtbar sein wird. schrott passt ja eh, ist ja von anfang an so durchgeplant gewesen. jetzt nur noch die schwelle, am samstag, vielleicht.

dann erfahren, dass mein schrauber meinem motorrad in meiner abwesenheit keineswegs eine frische tüv-plakette verschafft hat. nee, er hatte sogar vergessen, was überhaupt der auftrag war. nur deshalb rief er an. und um mir zu sagen, dass in der zwischenzeit beide spiegel verschwunden sind, verdammt.

zuletzt erst das schreiben, da war es fast schon dunkel. geplant war das ja nicht, aber schreiben kann dumme tage retten. manchmal.

also: über die hälfte des aktuellen kapitels ist jetzt fertig, denke ich. das hat ein paar stunden gedauert, zwischendurch war ich irritiert. vermutlich nur unkonzentriert, es war ein langer, voller tag. ich wollte schon schlussmachen, aber nach dem abendessen mochte ich dann doch wieder. und es ging tatsächlich viel besser, beinah wie von allein. auch deutlich mehr, als ich gedacht hatte. gut.

bleiben für morgen noch gut neun seiten. morgen oder samstag oder sonntag, egal. das wird kein problem sein.

wie soll man das nennen, so einen tag? gelungen? verzwickt? vergeudet? mir egal, aber ohne das schreiben wäre es wohl vor allem ein dummer tag gewesen, ein sinnloser.

sowas mag ich gar nicht.

bonding/171

im text, seite für seite. das allein genügt mir, stelle ich fest. so ist es gut.

heute durch die zweite hälfte des anstehenden kapitels gegangen, wort für wort. was wieder eine recht einfache sache war. dialoge glätten, verbessern oder zuspitzen. durch kürzen natürlich, überall kürzen. (das ist das a und oha, da gehts lang.) sehr wenig umstellungen, im ganzen kapitel ist nur eine linie besonders zu beachten und zum teil neu auszuarbeiten. aber die grundlage dazu liegt in der ersten hälfte, und in der zweiten, heute, hat sich bereits gezeigt, dass es funktionieren wird.

prüfen werde ich das morgen. vielleicht auch erst am freitag, dann mache ich morgen den badboden fertig. auch nicht schlecht. aber am samstag will ich durch sein mit diesem kapitel, also einen durchgang noch. mehr werden es wohl nicht. danach stehen noch gnaze rei kapitel, exakt siebenundvierzig seiten. yeah!

und es macht einem solchen spaß!

bonding/170

zurück in berlin und schon mühe ich mich. aber ich bleibe dran, mindestens für diese woche. auch wenn ich mich zwingen muss, so ist das eben manchmal. das schreiben. zirka zehn seiten nassgeregnetes manuskript überarbeitet. nicht viel, vorwiegend die dialoge reduziert. und gut ist, für’s erste.

was ich mir merken sollte. die vorarbeit in papier, im café. das macht es wesentlich besser. (hoffentlich.)

wieder zuhause. das war ein eigenartiger ritt heute morgen, meine kamotten sind immer noch nass, der rucksack auch. (dabei ist er doch aus feuerwehrschlauch.) den rechner hat es zum glück nicht erwischt, nur das manuskript, das direkt davorlag. papierausdrucke, naja.

der abschied war unspektakulär, diesmal, keine sentimantalitäten, kein berlingejammer schon im voraus. hilft ja nix. (letzteres hole ich aber sicher bald schon nach.) vielleicht weil ich so unglaublich intensiv im schreiben war, die ganze zeit.

außerdem war die nacht so richtig scheiße, das habe ich lange nicht erlebt. stundenlanges starren in die schlaflosigkeit, in die persönliche lächerlichkeit. das macht es nicht besser, nicht leichter, alles nicht. auch nicht die lächerlichkeit der welt, dieses elend.

jetzt langsam zurück, ein paar tage nur noch. dann dreht sich das rad wieder und ich renne drin herum. scheiße!

abschied, von der kleinen stadt

unverschämt, so ein sommertag mitte oktober. ich habe ihn genossen, ich gebe es zu. wie geplant war ich mit dem rad unterwegs, habe dabei auch noch teile der kleinen stadt gefunden, von denen ich wusste, die ich aber bislang nicht gesucht habe. das, und die tatsache, dass die aktuelle unterkunft mir derart wunderbar behagt, mich produktiv nahezu beflügelt hat, macht es mir gerade nahezu unmöglich, mich von der kleinen stadt zu verabschieden. wie ich es eigentlich schon im letzten jahr vorhatte, bis ich dann kurzfristig schwach geworden bin, im sommer, auf der suche nach einem schreibdomizil. und dann eben doch wieder hier gelandet bin.

es war schön dort, wo ich heute zufällig geladnet bin, überraschend auch. angenehm und absurd, wie es hier eben ist. ein wenig zu sehr vergoldet, mitunter, aber ich möchte doch wiederkommen. das steht so gut wie fest, vielleicht im frühjahr schon. vielleicht erst im herbst, der sommer ist ja anderweitig verplant. (nein, ich sage dazu nichts. noch nicht.) aber ich möchte ganz sicher wieder hier mit meinem rad unterwegs sein können. hier ist alles wunderbar einfach erreichbar, und ich habe so gut wie nie den motor einschalten müssen.

und schreiben will ich wohl wieder hier, auch das. aber wer weiß …

im ernst, das weißt ich derzeit wirklich nicht. und es könnte verwirrung sein, nichts anders. denn geschrieben habe ich immer. und wenn ich nicht mehr schreibe, was bleibt dann noch. alles andere leben ist verschwunden, spätestens mit corona. und da kommt nichts zurück, wenn denn da jemals etwas gewesen ist. vermutlich nicht, ich muss ehrlich sein.

ich lebe mein leben in die enge hinein, in die altersarmut, irgendwann. das ist unvermeidbar. es gibt keine familie, kein geld und keine erfüllung, letztendlich. das schreiben hat gereicht bislang, immer so gerade. das allein ist ein wunder, ohne jeden zuspruch über jahre, jahrzehnte.

daran glaub ich nicht mehr, auf lange sicht. dabei bin ich durchaus nicht pessimistisch. ich bin und war schon immer in der lage, die realität zu erkennen. und zu benennen.

es ist ganz einfach: im nächsten jahr werde ich sechzig. ich hebe den kopf, ein wenig nur. und sehe das ende.

schreibzeit/69

der plan für morgen, den letzten tag der geplanten, ausschließlichen schreibzeit: nichts!

nur sonne und hitze, wie mir scheint. 24° sind angesagt. holla! runter in die stadt werde ich fahren, in einem café sitzen oder ein restaurant suchen, vielleicht ein steak? hatte ich ja lange nicht mehr. vielleicht auch nicht. aber den rechner werde ich nicht mitnehmen. den text auch nicht, durch das kapitel bin ich ja durch. das macht also keinen sinn. später ein bisschen die wohnung putzen und zurückbauen, den müll raustragen, packen. den wecker stellen für dienstag.

zu hause werde ich in der restwoche sicherlich noch das angefangene kapitel abschließen können. trotz anderer aufgaben, die steuern, das bad und das bauen. so richtig viel ist es nämlich nicht mehr, nach der vorarbeit.

viel wird es auch danach nicht mehr sein, ich kann es kaum glauben. weniger als fünfzig seiten. sieht aus, als könnte ich doch noch fertig werden in diesem jahr. vielleicht sollte ich noch meiner agentin schreiben, ihr bescheid sagen. gleich morgen.

ich glaube, diese schreibzeit war mal so richtig ein voller erfolg. gute idee.

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