am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding/167

das war abzusehen. ich mache weiter, ich arbeite, ich schreibe. jetzt ist die zeit. egal, was passiert. in weniger als zwei wochen bin ich wieder im geschirr, und was dann? zwei jobs, drei jobs und ganz am ende der text und das schreiben. wenn ich nicht mehr kann, nichts mehr weiß. ach, zur hölle!

heute also den gestern radikal heruntergekürzten text durchgegangen, geglättet, alle ideen eingearbeitet und mehr noch. und besser auch. (sogar etwas auf dem folgenden kapitel genommen und zu mir gezogen, weil es da besser passt.) und dann nochmal alles durchgegangen.

jetzt bleiben sieben oder acht seiten rahmenhandlung, die in dem kapitel mitten drinstecken. das hatte ich erstmal ausgelassen. das muss also noch, da hilft nichts. und das ist nicht ohne, diesmal.

aber wohl doch nicht mehr jetzt. das kommt dann morgen.

rustikal

so ein tag beginnt blöd, wenn man wie gewohnt bei geöffnetem fenster geschlafen hat, und dann kurz nach dem aufstehen gesagt bekommt, dass die heizung nicht mehr funktioniert. gut, es ist okay, draußen sollte es im laufe des tages zirka siebzehn grad werden. und ich habe hier, wenn überhaupt, nur am abend und nur in einem zimmer ein wenig geheizt. aber die letzten nächte hatten den innenraum dann doch ziemlich runtergekühlt, so auch heute morgen.

schlimmer fand ich die botschaft, dass auch duschen nicht möglich sein würde. die tatsache, dass heizung und warmes wasser oftmals zusammenhängen, die ist mir ein wenig verloren gegangen, weil es bei mir nicht so ist. spontan dachte ich also: den raum nicht wärmen zu können, ist eine sache. den körper nicht wärmen zu können, ist etwas ganz anderes.

soviel persönliche erkenntnis in bezug auf den kommenden winter. es könnte eine äußerst unschöne, rustikale erfahrung werden. das sage ich, die ohnehin meist nur einen raum heizt und das nicht über nacht oder wenn ich aus dem haus bin. ich, die ich mitunter auch sehr wenig heizmaterial hatte, den einen oder anderen winter. aber heißes wasser gab es immer, zur not.

ps: inzwischen geht alles wieder. die heizung war ein bisschen an, heute abend, als ich hier saß und gearbeitet habe. jetzt ist sie aus, und ungeduscht bin ich heute auch geblieben.

bonding/166

erst gegen eins saß ich mit dem rechner im café und bin ein letztes mal durch das anstehende kapitel, das letzte von den dreien, die ich mir für diese schreibzeit vorgenommen hatte. es war ein bisschen seltsam, diesen teil der arbeit in einem café zu erledigen. das mache ich nicht oft. da ich mir spätestens in der phase, alles halblaut selbst vorlese, kommt das ein wenig seltsam. meistens versuche ich es mit der bauchrednertechnik: möglichst wenig den mund bewegen. heute wollte mir das irgendwie nicht recht gelingen, also habe ich nach einer weile die hände vor den mund genommen. das hat geholfen.

lange hat das nicht gedauert, vielleicht zwei stunden. dennoch habe ich noch ein paar nuancen setzen können, die vorher nicht da waren, und mich um den sprachrhytmus gekümmert.

zurück in der wohnung habe ich erst alle fenster aufgerissen, so schön was es draußen. die sonne stand mir direkt gegenüber.

dann habe ich mich an das nächste kapitel gemacht, was sonst soll ich hier tun. ein ziemliches durcheinander, das ich erstmal großflächig gekürzt habe. um beinah fünf seiten, das ist in der phase immer eine große freude. dabei bin ich auf eine mögliche linie gestoßen, die ich verfolgen kann, die ich verfolgen sollte, um das kapitel besser auszurichten. mehr als so etwas kann ich nicht verlangen, das ist wirklicher fortschritt.

eine erleichterung auch, eine bestätigung. dass es (noch) geht, dass ich es kann. immer. (solange ich ein hirn habe mit sprache drin.)

schreibzeit/67

lange geschlafen, wie zum scherz. das hat natürlich die planung durcheinandergebracht, aber was solls. es ist nur zeit, es ist nur leben. damit bin ich vertraut. das wetter hier ist nach wie vor wunderbar. etwas kühler als gestern, auch nicht ganz  so sonnig am morgen. am nachmittag dann vielfältig bewölkt, auch das macht einen schönen himmel am abend.

gegen vier stand die balkontür weit auf, so ist das hier. alles ruhig.

beim kaffee habe ich eine facebook-diskussion verfolgt, in der es um geld ging. wie viel verdienen eigentlich schriftsteller? den dazugehörigen radiobeitrag habe ich nicht gehört, ich weiß es auch so. es ist lächerlich. aber als in den beiträgen stand, dass jemand es nie geschafft hätte ein ganzes buch zu schreiben, ein bestseller noch dazu, wenn sie nicht einen verdienenden mann gehabt hätte und sich sieben monate am stück dafür hätte freimachen können. da ist es mir dann doch aus allen hirnzellen gefallen.

da wundere ich mich in den letzten vier, fünf tagen, wieviel ich so schaffen kann, derzeit. an die siebzig seiten überabeitung werden es am ende sein, denke ich aktuell. nach nur etwas mehr als einer woche. dabei ist es gar kein wunder, es ist einfach nur die zeit, die ich mir gerade nehme. (urlaubszeit aus einer festanstellung.) mehr ist es nicht.

wenn mir dann noch vor augen führe, dass ich die fast fünfhundert seiten in vier jahren geschafft habe, neben dem zwanzig-stunden-job und der zuzüglichen freiberuflichen tätigkeit, im schnitt sicher auch noch einmal zwanzig stunden. dann kommt ich insgesamt auf jahrelange fünfzig- bis sechzig-stunden-wochen, in denen ich das hingebogen habe. meistens ohne partner, immer auf eigenes geld und immer und immerzu ohne pause.

da bin ich also eigentlich richtig schnell. und ich bin kurz vor völlig am ende, jetzt.

(und was könnte ich tun, schaffen, schreiben, wenn es irgendwo eine unterstützung gäbe, bei all dem.)

bonding/165

ich muss es zugeben, ich bin ein streber. drei kapitel habe ich mir vorgenommen, zirka fünfzig seiten in neun tagen. keine ahnung, ob ich tatsächlich daran gezweifelt habe. jetzt ist es so, vier tage sind vorbei, und es ist absehbar: morgen, am fünften tag, so gegen mittag vermutlich, werde ich damit durch sein. das letzte mitgebrachte kapitel hatte nur zwölf seiten, jetzt sind es noch elf. das kann gar nicht schiefgehen.

es ist kein kompliziertes kapitel. ich habe es nur ein wenig gekürzt, an stellen, wo ich dieses oder jenes doppelt erwähnt und dann noch einmal erklärt hatte. die struktur, im großen und ganzen, stimmte. zumindest waren keine großen umbauten nötig. die sprache war auch weitgehend okay. es wird als gut, und es wird wohl wirklich fertig sein, morgen.

und dann? hier in der kleinen stadt bin ich noch bis dienstag morgen, gegen mittag erst fahre ich zurück. urlaub von meinem brotjob habe ich bis zum darauffolgenden montag. das anschlusskapitel wird also möglicherweise auch noch fertig. das wäre nicht schlecht, obwohl ich es mir schon angesehen habe. es ist mächtig, vollgepackt mit themen, die unsortiert in alle richtigen sprießen. außerdem ist es fast dreißig seiten lang. darauf freue ich mich nicht, aber.

ich bin ein streber.

die alternative wäre: erst einmal vier tage urlaub in der kleinen stadt. das wetter wird vergleichsweise großartig sein, sonntag und montag sind derzeit um die zwanzig grad angesagt. ich habe mein rad hier, das macht spaß. anschließend blieben noch fünf tage in berlin, in denen ich das nächste kapitel ohne zweifel bewältigen könnte. (allerdings müsste ich dann dort noch nebenbei die steuern fertig machen und den badboden natürlich. neben all dem anderen, was ansteht.)

ich weiß nicht. nichtstun fällt mir schwer, besonders zurzeit. wenn ich mich nicht am laufen halte, dann überwältigt mich die welt, wie sie derzeit ist. dazu braucht es nur sekunden, so kommt es mir vor. zeit für etwas schönheit lasse ich mir nicht. das ist nicht gut, ich weiß. aber es ist eben, wie es ist.

also: was soll ich tun?

kalt

es ist herbst, unverkennbar. mit mir in der schreibwohnung lebt eine heimliche, heimtückische mücke, die mir nachts in die stirn, die schläfen oder die unterarme sticht. jede nacht ein bisschen mehr, es scheint eine gierige mücke zu sein. oder eine ganze familie vielleicht, eine blutsaugersippe. außerdem wird es inzwischen früh dunkel, viel zu früh, finde ich. so warm es also tagsüber in der sonne auch  sein mag, wenn die nacht und sie kommt früh, dann wird es kalt. ich sage es ungern, aber es ist ziemlich schnell dunkel und ziemlich kalt in der nacht.

solange ich noch arbeite und nicht schlafe, drehe ich also die heizung auf. zu hause ist das einfach, da weiß ich, wie sich das verhält. die hiesige hat mich ein wenig erschreckt, indem sie auf stufe zwei bereits so heiß wurde, dass ich den heizkörper nicht mehr gefahrlos berühren konnte. soviel zum thema: die stufen auf den thermostaten bedeuten eine bestimmte temparatur und ermöglichen so eine exakte wärmeregelung. von wegen! überhaupt ist es eher seltsam, dass es in dieser wohnung drei steigleitungsstränge gibt, jeweils einen für küche, bad und raum. mehr räume gibt es nicht, und die anderen beiden benehmen sich nochmal ganz anders. einigermaßen normal, wie mir scheint. aber die nutze ich kaum.

ich bin müde. es ist spät, die arbeit für heute ist beendet. in den nachrichten habe ich schnell noch die täglich neu zu verzeichnenden kriegsverbrechen zur kenntnis genommen. für mehr reicht es heute einfach nicht, keine analysen, keine debatten, keine verbalen kleinkriege im tv. allerdings, immerhin und nicht zum ersten mal, den herzlichen wunsch gen himmel (oder was auch immer) geschickt: möge dem amtierenden, mordbesessenen zaren eine zügige abreise beschert sein. nach den haag, so schnell wie möglich. (oder sonstwo hin.)

viel mehr als das vermag ich heute nicht zu ertragen.

schreibzeit/66

es bleibt angenehm und irgendwie einfach, wieder einmal hier in der kleinen stadt zu sein. über ein jahr ist es her, und ich habe nicht wirklich gearbeitet, damals. ich dachte, es sei vorüber. dieser ort hätte mich verlassen, sodass auch ich ihn verlassen müsste. innerlich vor allem, vielleicht längst schon verlassen hatte. die entscheidung, mich doch noch einmal hier einzumieten, war eine mischung aus zufall und versehen. oder einfach nur ein schnellschuss, so gut wie unüberlegt. eine entscheidung, um mir ausreichend zeit zu schaffen, doch wieder richtig in den text zu gehen. kontinuierlich vor allem. ihn also endlich abzuschließen, fertig zu machen, soweit ich nur kann.

danach soll mir alles egal sein, wirklich alles.

also, es läuft gut. aber ich muss zugeben, dass nichts in mir brennt oder auch nur ansatzweise begeistert ist. wie es einmal war, vor fünf oder sechs jahren. ich weiß es nicht einmal genau. und ich mag es nicht nachsehen, hier im blog, wo ich es sicher finden würde. das ist nicht wichtig. es ist anders, heute, es gibt keine zuversicht.

nicht mehr. alles ist anders, damit muss nicht nur ich leben. und schreiben. was einerseits eine herausforderung ist, andererseits ist es traurig.

entsetzlich traurig. dieses schreiben, jetzt.

bonding/164

drei kapitel habe ich mir vorgenommen, und das in nur neun tagen. allein das zu sagen, an dieser stelle auch zu schreiben, macht mich schwindelig. ich denke nicht wirklich, dass das zu schaffen ist. aber egal, ein bisschen verzweiflung muss sein. und wenn ich zurück in berlin bin, bleibt ja noch ein bisschen zeit, bevor ich wieder zur arbeit muss. also wer weiß.

heute war schonmal ein guter tag, trotz durchaus misslichem angang. die möglichkeit, hier alles mit ein bisschen mehr ruhe und weite angehen zu lassen, hat sich bereits ungemein bewährt. obwohl ich erst am späten nachmittag an den rechner kam, bin ich durch den komplexen überarbeitungsanteil des anstehenden kapitels schon einmal ganz durch. dabei habe ich um satte fünf seiten gekürzt, aber nicht, weil mir einfach mal danach war, mit all der ruhe und weite hier. an der stelle deutlich zu kürzen lag durchaus im plan. so mache ich das, wenn ich das gefühl nicht loswerde, mich mit einer figur verrannt zu haben. keine der hauptfiguren, zum glück, eher eine, die nur über eine kurze strecke konzentriert auftritt. noch dazu eine eher negativ konnotierte erscheinung, die zunächst einmal entschärft gehörte.

jetzt bin ich gespannt auf morgen, weil mir schon heute klarwurde, welch andere, bessere rolle diese figur möglicherweise tragen könnte. keine ahnung, ob das gelingen kann, denn erstmal ist es nur eine ahnung eben, mehr nicht. bislang weiß ich noch nicht genau, wohin sich die energie verschieben wird, das negative, das da im text liegt. es liegt da zu recht, und also muss es wohl bleiben.

wie auch immer. in einem text, der mit einem zentralen ich funktioniert, ist es am einfachsten, alle energie immer erst auf eben dieses ich zurückzuwerfen. und gerade habe ich den eindruck, dass sie eben dort bestens aufgehoben sen wird. morgen weiß ich dann mehr.

schreibzeit/65

ein tag, ein sonntag sogar, beginnt nicht ganz so gelungen, wenn ich fast eine stunde brauche, um herauszufinden, dass der hier vorhandene herd über ein induktionsfeld verfügt, und deshalb mein mitgebrachter, kleiner reiseespressokocher nicht funktionieren kann, weil er nämlich aus alu ist. kein kaffee also, aber sonst ist alles gut.

gekränkt bin ich dennoch und drücke mich darum, mich ins schreiben zu stürzen, weil das wetter so umwerfend gut ist. rasant strahlender sonnenschein, wofür ich hier die absolut beste wohnung erwischt habe. am morgen nur hell, noch nicht direkt beschienen, dafür am nachmittag und abend allerbeste sonnnenklarheit sowie untergangsstimmung aus allen fenstern.

ich fahre also ein bisschen durch den park, mit meinem e-bike, aber ohne e-zuschaltung. die braucht es hier nicht, nicht an einem sonntag im park. danach geht es ins café, nicht nur wegen des fehlenden kaffees, sondern für ein frühstücksbrot, wie ich es mir gestern versprochen hatte. also immer noch kein schreiben in sicht, aber den kapitelausdruck hatte ich natürlich dabei. immerhin.

es fällt auch mir mitunter schwer, das durchlesen und durchgehen als schreibarbeit zu begreifen. (von radfahren im park oder durch die stadt schlendern, was ich sicherlich morgen machen werden, wenn das wetter noch ein bisschen besser sein soll, ganz zu schweigen. oder musik hören gar, obwohl gerade das so ist.) während ich also da sitze, lese und mich unzulänglich fühle, versuche ich mir einzureden, dass es so vielleicht sogar besser sein könnte. alles gründlich durchgehen und dann erst in den text, dafür habe ich im alltagsdurcheinander oft nicht die zeit.

dass ich zwischendrin auch noch ins bett falle, einfach weil ich es kann und es sich hier gleich neben meinem schreibplatz befindet, spricht wohl für die tiefe meiner erschöpfung. oder für den früh fehlenden kaffee.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner