am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

going (5)

immer noch unzufrieden mit meiner maladen arbeitsstruktur. wenn mein tag fast am ende ist, dann – endlich – fange ich an zu schreiben. das funktioniert, irgendwie zumindest, ich schaffe ein bißchen was, jeden tag. es fließt auch, kein problem, also keine quälerei bislang. zum glück. die arbeitsmoral ist es demensprechend nicht, an der es hapert. aber es fühlt sich nicht gut an, nicht wirklich effektiv.

wirre tage eben, hektisch und verplant, an deren ende ich mich doch noch in den text wage, immer in der angst, hinten raus keinen brauchbaren abschluß finden zu können. so ein tag ist ja auch mal vorbei, und am nächsten braucht es dann etwas, an das man anküpfen kann. schreiben ist planung, arbeit und planung, das vor allem. das schweben und greifen in etwas, was es kurz davor noch nicht gegeben hat, die sind nur momente. wenn auch genau die das geschenk sind, um deret willen ich das alles überhaupt nur tue.

nicht ist also so, wie man sich das vielleicht vorstellt. schreiben im café, das wäre schön. geht ja heute, alles, die technik spricht durchaus dafür. oder schreiben in der nacht, entspannt und inspiriert bei einem glas rotwein. keine chance, das ist aus meiner sicht alles nur illusion.

auf dem plan für morgen stehen einige klärungen und strukturarbeit, höchste zeit. vielleicht krieg ich dann auch hier ein bißchen was klareres hin. schrieben dann aber wieder erst am abend, denke ich. denn dazwischen liegt ein bißchen tango.

jetzt: lesen. (gutnacht)

touched

was mir früher schnell zu wut und raserei wurde und was ich aus diesem grund mehr und mehr gemieden habe, ist mir heute mit leichtigkeit mitunter freude und berührung, eine lust sogar. ist es die musik oder bin ich es, die sich verändert? und ist der tango schuld daran, nicht zuletzt?

going (4)

well. den ganzen tag viel zu tun gehabt, sachen erledigen, geld verdienen, balkonregal umbauen. (warum auch immer.) geschrieben wieder erst spät, es war schon dunkel, obwohl ich mit der anstehenden szene und zwei dialogfetzen aufgewacht bin, sie sogar notiert habe. das gefällt mir nicht, aber es scheint zu funktionieren. einstweilen. in zwei stunden über eine halbe seite grobes material geschrieben, an dem ich mich dann entlanghangeln, es zurechtbiegen und ausweiten kann, morgen oder übermorgen. das ist fantastisch.

strecke machen, so habe ich das früher genannt. ich erinnere mich. einen pfad ins dickicht schlagen. ein versuch, mehr ist es nie.

in ruhe

auf dem weg vom tangounterricht nach hause, immer montags, immer nachts, noch eine kleine runde fahren. nicht viel, die sonnenallee runter, die kiefholzstraße wieder rauf bis zu mir. wie könnte ich jemals erklären, es in worte fassen, was es bedeutet, diese 250 kilo metall, gummi, öl und sprit* durch die nacht zu bewegen. diese leichtigkeit und milde, die sanftheit und ruhe von so viel kraft.

nachts ist das besonders spürbar, gegenwärtig, greifbar fast, das paradoxe daran. das glück einer bewegung, die über das selbst weit hinausgeht. so weit, daß es sich im grunde jeder kontrolle entzieht. und damit die illusion eines stabilen lebens imitiert.

dieses glück, kaum zu begreifen. und wie zu teilen? oder auch nur mitzuteilen.

darüber geht nur musik.

* und rost natürlich, in meinem fall.

nachgeburt

langsam die geburtstagsbedingte niedergeschlagenheit überwinden, wie jedes jahr. das wissen darum, nun also bereits dreimal soviel zeit geschafft zu haben, wie ich selbst jemals glaubte aushalten zu können. damals. im rückblick war es doch leichter und schöner sogar als ich es mir vorzustellen vermochte, das muß ich zugeben. möglicherweise ist das so etwas wie glück. das andererseits natürlich schnell in eine schwere umschlagen kann, die sich um das unerreichbare dreht, um die grundlegende vergänglichkeit auch. mit der ich grundlegend einverstanden bin.

ich glaube nicht an den kampf, gegen was auch immer. ich glaube nicht an gegner und verbündete, weder an krieg noch an frieden. in einem von beidem wohnt immer auch sein gegenstück, wie könnte es anders sein. zumindest die idee ist vorhanden, wie zum beweis quasi, daß alles auch anders sein könnte. ohne sich jemals ändern zu müssen.

und das kann es nicht sein, nicht für mich.

going (3)

in den letzten tagen mit meiner arbeitsmoral, der schreibmoral also, gehadert, die ein wenig vor sich hin schaukelt und dümpelt. viel anders war es nie, muß ich gestehen. ich wünschte sehr, ich könnte aufstehen, mich hinsetzen und losschreiben. odr es zumindest versuchen. erst die kür, dann die pflicht. stattdessen schleiche ich durch den tag, erledige andere sachen oder auch  nicht. ich tue alles, nur nicht schreiben. das legt die laune schief, bis ich endlich anfange. das geht, daran scheitert es nicht, nicht im moment auf jeden fall. aber was soll das, daß ich nachts um halb elf endlich an die arbeit gehe. mal gibt es dann einen schnellen flug, manchmal sogar eine ganze seite. abe das reicht nicht, vor allem, wenn es ans überarbeiten geht.

trotzdem: weitere strukturelle überlegungen angestellt, ideen notiert, mich dem personal genähert. da braucht es noch mehr, das ist klar. das ist noch ein manko, das war anders bei meinem ersten roman. andererseits ist es anders, diesmal. ich lerne diese menschen im schreiben kennen, nach und nach. ich lege sie nicht schon im vorfeld fest. ich erkenne sie an den dingen, die sie (mit mir) tun. keine ahnung, ob das gut ist so. ob das funktionieren kann.

außerdem ist festzustellen, daß es nicht nur um familie, um familiengeschichten geht, um die verschachtelten geschehnisse, die ebenso selbstverständlich wie zwangsläufig ineinandergreifen. wer kennt das nicht? es geht auch und vor allem um begegnung, um das kommen und gehen und lassen. keine leichte übung. besonders letzteres.

darum geht es also. einstweilen.

regenerierungserscheinungen

älter werden wird anstrengend im alter. das ist nicht neu, war aber dennoch eine überraschung in diesem jahr. gut, womöglich sind nächtliches tangotanzen mit erheblichen schienbeinschmerzen rechts, die sich dort schon den ganzen tag aufgehalten hatten, und burgeressen gegen zwei uhr morgens nicht unbedingt hilfreich. dennoch. den gestrigen tag habe ich wie ausgeschaltet verbracht, wie in wattebäuschen von übermüdigkeit gehüllt. sogar eingeschlafen bin ich, beim lesen auf dem sofa. ich, alte frau.

heute geht es wieder. nach fast neun stunden ununterbrochenem schlaf muß festgehalten werden, daß ich durchaus noch regenerierungsfähig bin. und nun in der lage, ein hoch auf die freunde auszusprechen, die mich großzügig versorgt haben. mit besten wünschen und besuch, von glück und gesundheit war die rede, von wenig schmerzen und sorgen in zukunft, stattdessen soll ich jederzeit mit ausreichend inspiration versorgt sein. daran gedenke ich mich zu halten, grundsätzlich, an alles.

außerdem befinden sich jetzt hier so wunderbaren dingen wie: ein gelber badefrosch, viele tangolieder, alle von frauen gesungen, diverse blümchen in töpfen und blech, blechspielzeug, das im kreis fahren kann, glen deveron, goldfarbene hochlandmilde, und handgearbeitete topflappen in hellblau und braun. darüber hinaus ist die möglichkeit erster tangoprivatstunden finanziell eröffnet, eventuell auch eine minimalteilnahme am bevorstehenden queertango festival. was eigentlich auch so eine kraftzehrende, altersuntaugliche angelegenheit ist, aber was solls.

und dann liegt hier jetzt Vielleicht Esther, davor habe ich ein wenig angst.

fifty-one

eines meiner großen ziele im leben ist es ja, meinen eigenen geburtstag zu vergessen, ein einziges mal nur. ein freund von mir hat das schon im alter von irgendwas in seinen 20ern geschafft, das bewundere ich zutiefst. und ich glaube und vermute, daß es ihm nicht nur einmal so gegangen ist. (genau weiß ich es aber nicht, man trifft sich, kennt sich und das bleibt auch. aber man sieht sich manchmal auf einmal nicht mehr.)

ich selbst bin weit davon entfernt, auf diese wunderbare art unachtsam mit mir sein zu können. da habe ich also wohl noch eine weite strecke vor mir.

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