beim schopf
von der buchkönigin aus gehe ich mehr oder weniger spontan rüber zum friseur. es ist zeit, da ist die gelegenheit, und irgendwann muß es ja doch sein. die ältere frau, die sich um mein anliegen kümmert – oder ist sie gar in meinem alter? eine rotgefärbte grauhaarige? bin ich nur wieder einmal die ewig jung gebliebene? das gör, das sich nicht um jahre kümmert?
wie auch immer. die ältere frau in dem kleinen laden will mir zuerst die brille aus der hand nehmen, die ich zum haarwaschen abgenommen habe. was mir schon nicht behagt. niemand nimmt mir die sicht, nie wieder. meine brille bleibt bei mir. nach einer recht rabiaten haarwäsche wirft die frau mir ein handtuch auf den kopf, dreht es hinten zusammen und führt mich an diesem knoten im nacken zum schneideplatz. auch das ist unbehaglich, vor allem aber eine geste, auf die ich lieber verzichtet hätte. außerdem hatte ich die brille längst wieder auf. und selbst wenn, ich kann auch halbblind laufen. ich habe fühlende füße, hände und haut. ich kann hören, wo die dinge sind.
aber auf mittelalte friseurinnen trete ich natürlich immer wieder gerne mal. da muß man schon aufpassen, das stimmt. und ich bin eine friseurschweigerin, sagte ich das schon? die frau redet über das wetter, während sie schneidet, über sonne und regen im wechsel. oh wunder. gut, daß ich das nicht sehen muß.
zum abschluß bläst sie mir noch mit dem fön haarreste in ärmel und ausschnitt und heiße luft in das migräneauge. das kann sie nicht wissen, kommentiert mein zucken aber mit einem fröhlichen berlinton: etwa zu heiß?
ich fürchte, ich brauche schon wieder einen neuen friseur.
wunderbares wetter hier, überhaupt alles fein. nur daß ich keine lust habe, in den alltag zurückzutauchen. denke also darüber nach, endlich mal ein wenig die umgegend zu erkunden. wo doch dem motorrad in der klagenfurter woche eine frische tüv-plakette, ein blitzblanker luftfilter, ein butterweicher kupplungszug und außerdem noch zwei eckige spiegel gewachsen sind. da war doch noch was, rund um berlin, wenn ich mich recht erinnere. brandenburg oder so.
der arbeitsberg, naja hügel trifft es wohl eher, spricht allerdings erstmal dagegen. abwarten.
keine klagen (12)
erster tag danach, back in berlin. die nächte in der paulitschgasse waren lauter als meine weserstraße hier. oder ich bin die geräusche hier doch sehr viel mehr gewöhnt und müsste einfach nur noch ein bißchen dort bleiben, damit alles anders wird.
das geht natürlich nicht, aber berlin geht gerade auch nicht so recht. den vormittag verbringe ich mit der zurückweisung offensichtlich unzutreffender inkassoforderungen an meine person. keine ahnung, ob ich noch in der frist bin. der brief kam vermutlich am tag meiner abreise und ist fünf tage vordatiert. schnell zur post damit, dann zum bioladen. und von da aus zurück zur post, weil ich die hälfte zu erledigen vergessen habe. das leben nach listen. wie fremd das ist nach ein paar tagen literatur pur.
und die menschen in klagenfurt. überall menschen, und die meisten davon so nett. unglaublich.
der flug zurück nach berlin, gestern, war übrigens vollgestopft mit autorInnen und kritikerInnen. wären wir abgestürzt, es hätte die aktive deutsche literatur ganz schön zerlegt.
