am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

wienrecherche (1)

das merianheft wien, mai 1956, ist heute angekommen. Herbert Eisenreich schreibt darin zu abschluß seiner „Meditation über Wien“ mit dem titel „Talent zum Glück“:
„Nicht als Stadt, so schön sie auch ist, sondern als Idee ist Wien wichtig für die Welt, sofern diese noch einmal einen geistigen Ort braucht, an dem sie zur Besinnung kommen kann.“

so sitze ich da, mit dem frühstückskaffee auf dem balkon, die sonne im gesicht, wie gestern vorsorglich vorbereitet, und meditiere über die heimat des pathos.

seit über zwei stunden steht die balkontür weit offen. trotzdem ist es angenehm drinnen, satte 19°. das geht in ordnung mit dicken socken und pulli. außerdem habe ich draußen schleunigst ausgemistet und gefegt, damit ich morgen mit meinem frühstückskaffee da sitzen kann. heute war es schlichtweg zu schmutzig, ansonsten sonne satt. gut, gewischt habe ich dann doch noch nicht. wer weiß, was da noch kommt. wenn ich mir da das bild vom letzten jahr ansehe. exakt ein jahr, tatsächlich. ein trauerspiel, diese klimakatastrophe.

totes land (28)

zum schreiben gehört zwingend auch der zwang. (in einem früheren stadium disziplin genannt.) es hilft nichts, die dinge bis zur unerträglichkeit schleifen zu lassen. im gegenteil, es scheint nur immer schwerer und schwerer zu werden. obwohl es letztendlich nicht so ist, zumindest nicht bei mir.
seit der letzten migräne kämpfe ich um den schlaf. nicht um träume oder andere esoterisch schöne dinge. nein, schlicht und einfach um schlaf, der länger als drei stunden andauert und nicht stunden auf sich warten läßt. müdigkeit bis hin zur erschöpfung prägt die tage, und das liegt nicht am frühling. ausnahmsweise.
es liegt an einem satz. der satz, den ich seit wochen habe liegen lassen, mitten im laufenden text. die stelle, an der die arbeit weitergehen muß. wenn ich mich denn aufraffen würde, endlich. mich zwingen. der satz lautet: Schlaf ist ein Problem. und er gehört meiner hauptfigur, nicht mir. (aber wer weiß das schon so genau, in dieser phase der arbeit, in der alles, das steht, vielleicht doch wieder fällt.)
angefangen mit diesem satz haben sich zäh ein paar weitere gefunden. quälend, wenn drei sätze dreißig minuten brauchen. es ist der zwang, der weiterhilft. (oder doch die disziplin?) jetzt sind fließend zwei weitere seiten grob skizziert. geht doch. vor allem geht es weiter, nach so einer zwangsmaßnahme.

[mal sehen, wie das mit dem schlaf heute sein wird.]

irgendwo in irgendeiner küche. ich trete zu einer frau, die ich nicht (er)kenne, wir nehmen uns kurz in den arm. es ist sehr vertraut und selbstverständlich. eine stärke wächst daraus, eine ungemeine kraft. das erschreckt mich so, daß ich beschließe, nicht aufzuwachen. statt dessen bleibe ich eine weile in der nähe und versuche, zu verstehen. doch die frau ist verschwunden.
so liest man es in bücher, oder man sieht es in filmen, denke ich, als ich doch endlich wach werde. familiengeschichten. die rückversicherung der eigenen existenz an einer anderen, die dafür zuständig ist. wie seltsam, daß ich soetwas träumen muß. ausgerechnet. das werde ich jetzt tagelang nicht wieder los. (tatsächlich ist es schon drei tage her.)

die dekadenz des frühlings

schlappes, blasses grün, dazu eine pralle frucht, die sich hemmungslos beugt unter der eigenen last. überaus fleischig ist diese geruchlose zucht, quietscht sich üppig aneinander. nicht mehr lang, dann ist es soweit.

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