am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

king of pain

I lay in bed, unable to sleep, nauseous as hell. And the pain: I just want to cut my head off. There’s this feeling of impotence: there’s nothing, nothing you can do and that really makes you feel twice as miserable.

ein höchst zutreffender und umfassender bericht zum thema migräne, bereits im april im gedruckten exberliner erschienen. überhaupt, der exberliner wird immer lesenswerter, zum beispiel auch die juniausgabe mit einem schwerpunkt auf der polizei in berlin. (wenn nur dieses dämliche riesenformat des heftes nicht wäre.)

schlandige ballspiele

das spiel gegen argentinen habe ich nicht gesehen. pünktlich zum anpfiff bin ich losgefahren und war dann exakt zum schlußpfiff in frankfurt, an der polnischen grenze. zwischendrin hatten mich ein paar beflaggte autos angehupt, damit wußte ich so ungefähr bescheid. der rest war ein bunter hering, wobei ich stefanie heinzmann leider verpaßt habe. dafür habe ich aber zum ersten mal im leben die oderbrücke überquert und ein paar schritte auf polnischen boden gemacht. engl goes east.

außerdem habe ich mir berichten lassen, daß ich ein richtig schönes spiel verpasst habe. so wie das gegen england ungefähr, schön und auch noch klug dazu. das hat doch was, selten gabe es eine so elegante, spielwitzige deutsche fußballmannschaft. nicht, daß ich wirklich viel davon verstehen würde. aber als gebürtige ruhrpötterin kommt man um fußball eben nicht wirklich herum.

gestern also versuche ich, ein paar nachberichte zu finden, ein paar spielbilder vielleicht. mehr als nur die tore, wenn es geht. aber was kriege ich vornehmlich zu sehen? interviews mit schwarzgelbrotgewandteten brüllbürgern. weltfußball? diese deutsche mannschaft wird auch in zukunft beherrschend sein? der deutsche panzer rollt wieder? das ist lächerlich. nahezu widerlich. dazu noch die fragen an die frauen: wer denn der sexiest deutsche spieler sei? ansonsten nur schreien, kreischen und hüpfen.

danke. ich weiß jetzt wieder, warum fußball im grunde indiskutabel ist. ein kleines bißchen tut es mir aber auch leid um das schöne deutsche spiel derzeit. mal sehen, wie das morgen aussieht.

schwarzgelbrote fetzen

die beflaggung in deutschland scheint stetig zuzunehmen. ich übe mich in toleranz, aber es fällt mir immer schwerer. gefühlte 20 fähnchen flattern an dem wagen, der mich überholt. durchzählen mag ich sie dann doch nicht, bei 120 auf der autobahn. nur den gasgriff lockere ich einen moment, bis ich wieder zugreife, lasse mich so zurückfallen, vorsichtshalber. allein die vorstellung, daß einer dieser flatternden fetzen mir in die fresse klatscht.

worte an sich

es kommt ja eher selten vor, daß ich im absurdum hier die vorarbeit für worte an sich leiste. normalerweise geschieht das mehr so im stillen oder nur ganz marginal. diesmal ist es aber unverkennbar. drüben also noch einmal, ein wenig überarbeitet und konkretisiert: Selber schuld

(sehr schön auch das rechercheabfallprodukt selbstschuld.de. aber das nur so, ohne jeden zusammenhang. ;-)

selber schuld

… wenn du trolle fütterst.
… wenn du das nicht verstehst.
… wenn du glaubst, was DER schreibt.
… wenn ich dich  verarsche und vorführe.
… wenn du alles ernst nimmt, was ich sage.
… wenn du technisch nicht auf der höhe bist.
… wenn du dich im netz nicht zurecht findest.
… wenn ich deshalb in deinen raum eindringen kann.
… wenn du nicht bist wie ich, so vollvernetzt und verpeilt.

so klingt es mir nachhaltig in den ohren, dieses selber-schuld-netz, das mir – spät, aber immerhin – erst bei der letzten re:publica so richtig bewußt wurde. diese proll-troll-natur, jenseits aller menschlichkeit, die rücksichtslos vorzugsweise fremde räume zu fluten oder auszubrennen trachtet, je nach dem.

schuld. das ist das einfachste prinzip, um verantwortung zu vermeiden. um die dinge, die man anrichtet, absichtlich oder nicht, auf andere abzuwälzen. auf die opfer, versteht sich, die schwächeren. die, die nicht verstehen, die sich nicht auskennen, die sich (noch) keinen überblick verschaffen konnten. das ist der leichteste weg, aber das sagte ich bereits. geschwätz, häme und hybris helfen ebenfalls, soweit ich das erkennen kann. und selbstkonstruierte strukturen natürlich, die niemandem kontrollfreien zugang gewähren.

so wird es niemals ernst. es muß sich auch niemand jemals entscheiden, nicht wirklich. alles könnte ja auch ganz anders gemeint gewesen sein, von anfang an. dieser allerletzte trick funktioniert sowieso. selber schuld, wenn du das nicht verstehst. alles schwimmt und schwappt, wohin auch immer. so geht das spiel. verstehst du?

schwamm drüber. auf die art entsteht eh nix! also, keine gefahr.

inner schweiz*

vor zwei jahren war ich das letzte mal in der schweiz, die ja so sauber ist, wie es immer heißt. tatsächlich vergißt man, zurück in berlin, schnell wieder, von wieviel klarheit und höflichkeit man dort plötzlich umgeben ist. autos bremsen 10 meter vor dem übergang, um fußgänger freundlich durchzuwinken. mitten in zürich mitunter, am central zum beispiel, unweit der polybahnstation. macht mich immer wieder fassungslos. das ist schlimmer als in england. womöglich, weil es echter ist. zumindest kommt es so rüber.

von einem wenig vertrauen verwandten gefragt, wie mir zürich gefällt, antwortete ich spontan und ein wenig von mir selbst überrascht, wie seltsam es ist, straßenzüge zu sehen, in denen man spürt, daß diese gebäude seit jahrzehnten, wenn nicht jahrhunderten zusammenstehen. alle. ohne ausnahme, ohne schaden, ohne lücke. in den 60ern im ruhrgebiet geboren und aufgewachsen kenne ich so etwas einfach nicht. zwar habe ich wohl keinen schutt mehr wahrgenommen, sondern eher die vielen schuhschachteln und schnell hochgezogenen sozialsiedlungen. vielleicht noch das alte zechenhaus meiner großeltern. aber essen hatte einfach kein gesicht. und hat es bis heute nicht, soweit ich weiß. und obwohl ich zürich inzwischen seit über 30 jahren kenne, war mir das niemals zuvor so klar in den sinn gekommen.

jetzt sehe ich mich bestätigt, don formuliert anders, aber ebenso eindeutig:

Immer, wenn ich in der Schweiz bin, frage ich mich, wie eigentlich Deutschland aussehen würee (sic!), hätte es den 2. Weltkrieg nie gegeben.

* bitte als ruhrpottslang lesen

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